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Threskiornis aethiopicus / Heiliger Ibis (Hessen)

Synonyme


Tantalus aethiopicus Latham 1790

Allgemeine Arteninformationen


Kennzeichen

Der Vogel hat eine Körperlänge von 65-89 cm mit einer Flügelspannweite von 112-124 cm. Er hat weitgehend weißes Gefieder mit markanten schwarzen Federn an den Flügeln. Sein Kopf und Hals sind kahl und mit schwarzer schuppiger Haut bedeckt und er hat schwarze Beine und Füße. Zudem einen kräftigen, sehr langen, schmalen und nach unten gekrümmten schwarzen, beim Weibchen insgesamt kleiner. Beide Geschlechter haben die gleiche Körperfärbung. Ähnelt den einheimischen Weiß- und Schwarzstorch (Ciconia ciconia, C. nigra) und Kranich (Grus grus), hat aber einen schwarzen, deutlich nach unten gekrümmten Schnabel und eine deutlich kleinere Körpergröße.

Biologie und Ökologie

Lebensraum/Lebensweise

T. aethiopicus überlebt auch in Nordeuropa, wenn die Winter nicht zu hart sind. Die Art weist ein weites Lebensraumspektrum auf. Entscheidend ist das Vorhandensein von Wasser. Ibisse suchen in Wiesen und Weiden, Sümpfen und Röhrichten sowie Müllhalden nach Nahrung. Sie sind Nahrungsopportunisten, die Insekten, Weichtiere und Krebse bevorzugen aber auch Fische, Amphibien, Eier und Jungvögel verzehren. Gelegentlich können sich kleine Populationen in Vororten und sogar in städtischen Gebieten ansiedeln. Sie quartieren in Bäumen, Sträuchern oder auf dem Boden. Sie brüten mit Hunderten von Paaren in Kolonien. Die Nester werden aus Ästen gebaut. Ein Gelege besteht aus zwei bis fünf Eiern die 28 Tage lang bebrütet werden.

Ausbreitungspfad

Der Heilige Ibis ist in Europa ein Gefangenschaftsflüchtling z. B. aus Vogelparks. Die ersten wilden Populationen wurden in den 1970er Jahren in Ostspanien und in den 1990er Jahren in Westfrankreich beobachtet. Die Populationen können sich über tausende Kilometer ausbreiten.

Auswirkungen Invasivität

Möglicher Jagddruck auf Wirbellose und kleine Wirbeltiere wie Amphibien. Gilt als Nesträuber. Es besteht der Verdacht, dass die Art Krankheiten bspw. auf Weidetiere überträgt. Sie besucht Müllhalden und Güllegruben, um Insektenlarven zu fangen.

Überregionale Verbreitung

  • Herkunft: Afrika, südlich der Sahara
  • Verbreitung in Deutschland: Einzelfunde, Gefangenschaftsflüchtlinge, teilweise auch Einflug aus gebietsfremden Populationen in Nachbarstaaten
  • Verbreitung in Hessen: Einzelfunde

Prüfung und Erfassung


Sonstige Arten-Attribute

  • Invasive gebietsfremde Art der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014
  • Durchführungsverordnung (EU) Nr. 2016/1141 vom 13. Juli 2016
  • Art. 16 EU-VO frühe Phase der Invasion (melde- und beseitigungspflichtige Art)
  • Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertung für gebietsfremde Wirbeltiere (BfN-Skripten 409)

Sonstiges


Literatur

  • Europäische Kommission (2014): Invasive gebietsfremde Arten. Was tut die Europäische Union? Brüssel.
  • Nehring, S., Kowarik, I., Rabitsch, W., Essl, F. (Hrsg. 2013): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen. BfN-Skripten 352. Bonn.
  • Nehring, S., Skowronek, S. (2017): Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr.1143/2014 – Erste Fortschreibung 2017 – BfN-Skripten 471. Bonn.
  • Rabitsch, W., Heger, T., Jeschke, J., Saul, W.-S., Nehring, S. (2018): Analyse und Priorisierung der Pfade nicht vorsätzlicher Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten in Deutschland gemäß Verordnung (EU) Nr. 1143/2014. BfN-Skripten 490. Bonn.
  • https://www.itis.gov
  • https://www.cabi.org/isc/datasheet/62201