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Podiceps nigricollis (C.L. Brehm, 1831) / Schwarzhalstaucher (Sachsen)

Rechtlicher Schutz und Rote Liste


Artenschutzrechtlicher Schutzstatus:SG (streng geschützt)
Rote Liste Deutschland:* (derzeit keine Gefährdung)
Rote Liste Sachsen:1 ((akut) vom Aussterben bedroht)

Allgemeine Arteninformationen


Taxonomie

3 Unterarten, in Mitteleuropa brütet die Nominatform Podiceps nigricollis nigricollis (Brehm, 1831)

Kennzeichen

Der Schwarzhalstaucher ist ein kleiner Tauchvogel. Von den 4 einheimischen Lappentaucher-Arten ist er der zweitkleinste (Zwergtaucher ist die kleinste Art). Im Brutkleid sind Kopf, Hals und Rücken schwarz. Die Körperseiten sind rotbraun und die Unterseite ist weiß. Die Art hat ein auffallend rotes Auge und goldgelbe Ohrbüschel. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt. Im Ruhekleid ist die Oberseite dunkelgrau und die Unterseite weiß gefärbt. Im Vergleich zum ähnlichen Ohrentaucher, der bei uns ein seltener nordischer Wintergast ist, ist der Schnabel des Schwarzhalstauchers leicht aufgeworfen und das Schwarz des Oberkopfs reicht bis unter das Auge.

Biologie und Ökologie

Der Schwarzhalstaucher ist Brutvogel flacher, meist eutropher Seen und Teiche mit reich entwickelter Ufer- und Wasservegetation. Er zeigt eine starke Bindung an Lachmöwenkolonien. Zur Brut baut der Schwarzhalstaucher ein Schwimmnest, das durch submerse Pflanzen verankert ist oder in Flachwasserzonen am Gewässerboden aufliegt. Meist befindet es sich gut versteckt am Rand der Verlandungszone (Schilf, Binsen), manchmal auch offen auf der Wasserfläche. Der Schwarzhalstaucher ist Einzel- und Koloniebrüter und häufig mit anderen Arten vergesellschaftet (besonders Lachmöwe, aber auch Sturmmöwe, Trauer- und Flussseeschwalbe). Die Art lebt in saisonaler Monogamie. Es kommt zu 1-2 Jahresbruten (auch Schachtelbruten) mit 3-4 Eiern. Die Brutdauer beträgt 20-21 Tage. Nach 4-6 Wochen sind die Jungen selbständig. Männchen und Weibchen führen einen Teil der Jungen einzeln. Nach zwei Wochen trennt sich die Familie häufig.
Als Nahrung dienen vor allem Insekten und deren Larven, aber auch kleine Krebstiere (z. B. Wasserflöhe), Mollusken und selten kleine Fische oder Amphibien.
Der Schwarzhalstaucher ist ein Kurzstreckenzieher. Europäische Brutvögel überwintern an Küsten- und Binnengewässern im Süden Großbritanniens sowie von den Niederlanden bis zur Biskaya, zudem im Mittelmeergebiet, in Nord-Afrika und Vorderasien. In Mitteleuropa überwintert die Art vor allem am Genfer See und Bodensee, zunehmend auch an anderen Seen in Süddeutschland.

Überregionale Verbreitung

Das Brutareal des Schwarzhalstauchers erstreckt sich lückenhaft von Westeuropa bis Mittelasien; zudem ist die Art in Teilen Ostasiens, Ost- und Südafrikas sowie im Westen von Nordamerika verbreitet. Das Hauptvorkommen in Europa und das mehr oder weniger geschlossene Verbreitungsgebiet liegen im Osten (Russland und Ukraine). Zerstreute kleinere Vorkommen gibt es in West- und Südeuropa. Im Norden reicht die Verbreitung bis Schottland und Dänemark. In Mittel- und Westeuropa treten deutliche Bestandsschwankungen und Veränderungen der Vorkommen auf. Der mitteleuropäische Verbreitungsschwerpunkt liegt in Deutschland und Polen. Deutliche Rückgänge sind in den ehemals wichtigen Brutgebieten in Tschechien, Österreich und Ungarn zu verzeichnen. Dagegen gibt es eine Zunahme in den Niederlanden.
Auch in Deutschland unterliegen Bestände und Ansiedlungen deutlichen lokalen Veränderungen. In den letzten Jahren gab es vielerorts Zunahmen und Neuansiedlungen, aber auch regional Abnahmen. Meist beherbergen wenige große Kolonien den größten Teil des Bestandes. Insgesamt ist die Verbreitung in Nord-, Ost- und Süddeutschland zerstreut, in West- und Südwestdeutschland finden sich nur wenige lokale Vorkommen. Aktuelle Hauptvorkommen liegen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen (Zunahme und Ausbreitung), Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Bayern und am Bodensee. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es derzeit nur einzelne größere Kolonien.

Erhaltungszustand


Erhaltungszustand

ungünstig-schlecht

Prüfung und Erfassung


Verantwortlichkeit (Sachsen)

Anteil Sachsen am deutschen Brutbestand: 5,1 %

Hinweise für Artenschutzprüfung

  • Vogelart mit hervorgehobener artenschutzrechtlicher Bedeutung
  • Einzelvorkommen als Bezug für die lokale Population bei artenschutzrechtlichen Prüfungen

Betrachtungsschwerpunkt Artenschutzprüfung

Brut- und Gastvogelaspekt

Untersuchungsstandards

Methodik, Wertungsgrenzen und Zeitraum der Brutvogelerfassung gemäß Südbeck et al. (2005)
Hinweise: Paare an Gewässern ohne Lachmöwenkolonien können nur bei wiederholtem Nachweis im Abstand von mindestens 7 Tagen im Zeitraum Mitte Mai bis Mitte Juni als Brutvögel gewertet werden

Sonstige Arten-Attribute

  • Besonders störungsempfindlich (TK25-Viertelquadrant)
  • Brutvogelart des SPA-Fachkonzeptes (im engeren Sinne, Tab. 1+2)
  • Brutvogelart der SPA-Erhaltungszieleverordnungen
  • Vogelart in den SPA-Standarddatenbögen (alt)
  • Brutvogelart in den SPA-Standarddatenbögen (neu) - Fortpflanzung
  • Vogelart des SPA-Monitorings (Brutvögel)

Mortalitäts-Gefährdungs-Index (MGI)

  • als Brutvogel: III.6 (mittel)
  • als Gastvogel: III.7 (mittel)

Naturschutzfachlicher Wert-Index (NWI)

  • als Brutvogel: 3 (mittel)
  • als Gastvogel: 4 (gering)

Populationsökologischer Sensitivitäts-Index (PSI)

  • als Brutvogel: 4 (relativ hoch)
  • als Gastvogel: 4 (relativ hoch)

Vorkommen


Status Etablierung

Indigene, Ureinheimische (Reproduktion)

Status Vögel

Brutvogel, Gastvogel

Bemerkung zum Status

Sommervogel, Durchzügler

Nachweisabsicherung

Nein

Langfristiger Bestandstrend

  • deutliche Zunahme
  • mäßiger Rückgang

Kurzfristiger Bestandstrend

  • gleichbleibend
  • sehr starke Abnahme

Bestand

Brutbestand in Sachsen (nach Steffens et al. 2013):
1978-1982: 150-300 BP
1993-1996: 350-450 BP
2004-2007: 80-150 BP

Vorkommenskarte

Vorkommenskarte

Naturraumkarte

Naturraumkarte

Phänologie


Phänogramm

Phänogramm

Erläuterung Phänologie

Der Schwarzhalstaucher trifft im Brutgebiet Ende März/Anfang April ein (selten schon Ende Februar). Nicht selten erfolgt die Besiedlung erst im Verlauf des April/Mai. Durchzugmaximum ist wahrscheinlich Mitte April bis Anfang Mai. Bis Ende Juni werden Trupps auch abseits der Brutgebiete beobachtet. Der Nestbau beginnt (Mitte) Ende April. Die Eier werden frühestens in der ersten Maidekade gelegt. Erste Dunenjunge treten in der Regel ab Anfang Juni auf. Spät brütende Paare können noch Anfang August kleine Junge führen. Der Wegzug beginnt ab Ende Juli (Maximum Mitte August) und hält bis Ende Oktober (Anfang November) an. Nachweise im Winter (Dezember bis Februar) sind selten (Steffens et al. 1998, 2013).

Lebensraum


In Sachsen gibt es nur sehr zerstreute Vorkommen im Flachland und sehr vereinzelt im unteren Bergland. Der Schwarzhalstaucher brütet meist an eutrophen Fischteichen sowie an Flachwasserbereichen von Stauseen, Bergwerksteichen und Tagebaurestgewässern. Es werden Gewässer ab 1 ha, meist ab 5 ha Größe besiedelt (Flade 1994). Die Brutplätze (insbesondere Kolonien) haben meist Kontakt zu Lachmöwen-Kolonien bzw. befinden sich in diesen. Einzelvorkommen existieren jedoch auch an Gewässern ohne Lachmöwen-Brutplätze. Der Schwarzhalstaucher bevorzugt flache Gewässer(-bereiche) mit reicher Unterwasservegetation, die auch stärker verkrautet sein können und meist einen gut entwickelten Verlandungsgürtel aufweisen. Die Nester liegen in Buchten und seichten Gewässerbereichen (bis 1 m tief), am Rand von Inseln auch in ufernahen, röhrichtlosen Bereichen. Die Bestände schwanken stark und die Vorkommen sind natürlicherweise instabil.

Lebensräume nach Artenschutzrecht

Fortpflanzungsstätten:
Die Fortpflanzungsstätte ist die Brutkolonie mit Brutnestern und brutzeitlichem Hauptaktionsraum um die Kolonie (Balz, Jungenaufzucht).

Ruhestätten:
Die Ruhestätten liegen während der Brutzeit im Bereich der Fortpflanzungsstätte. Adulte Lappentaucher schlafen auf dem Brutnest, auf speziellen Schlafnestern bzw. Schlafplattformen, auf Nestern anderer Arten oder auch schwimmend im Wasser. Dunenjunge ruhen und schlafen anfangs im Brutnest, später in Schlafnestern und zwischenzeitlich häufig auf dem Rücken der Eltern. Regelmäßig frequentierte Rast- und Mausergewässer gehören ebenfalls zu den Ruhestätten.

Habitatkomplexe

  • Bergbaubiotope
  • Stillgewässer inkl. Ufer

Habitatkomplexe Reproduktion

  • Bergbaubiotope
  • Stillgewässer inkl. Ufer

Höhenstufen

  • collin
  • montan
  • planar

Sonstiges


Literatur

Bernotat, D. & Dierschke, V. (2015): Übergeordnete Kriterien zur Bewertung der Mortalität wildlebender Tiere im Rahmen von Projekten und Eingriffen 2. Fassung - Stand 25.11.2015. (Studie als PDF-Datei)

Bezzel, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Nonpasseriformes – Nichtsingvögel. AULA-Verlag, Wiesbaden.

Flade, M. (1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands. IHW-Verlag, Eching.

Gedeon, K.; Grüneberg, C.; Mitschke, A.; Sudfeldt, C.; Eikhorst, W.; Fischer, S.; Flade, M.; Frick, S.; Geiersberger, I.; Koop, B.; Kramer, M.; Krüger, T.; Roth, N.; Ryslavy, T.; Stübing, S; Sudmann, S. R.; Steffens, R.; Vökler, F. & Witt, K. (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten. Atlas of German Breeding Birds. Stiftung Vogelmonitoring Deutschland und Dachverband Deutscher Avifaunisten (Hrsg.), Münster.

Steffens, R.; Nachtigall, W.; Rau, S.; Trapp, H. & Ulbricht, J. (2013): Brutvögel in Sachsen. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden. (als PDF-Dateien unter Brutvögel in Sachsen, Seiten 1-247 sowie S. 248-436 bzw. S. 437-656)

Steffens, R.; Saemann, D. & Grössler, K. (Hrsg.) (1998): Die Vogelwelt Sachsens. Gustav Fischer Verlag, Jena.

Südbeck, P.; Andretzke, H.; Fischer, S.; Gedeon, K.; Schikore, T.; Schröder, K. & Sudfeldt, C. (Hrsg.) (2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Radolfzell.

Südbeck, P.; Bauer, H.-G.; Boschert, M.; Boye, P. & Knief, W. (2007): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands, 4. Fassung, 30. November 2007. Ber. Vogelschutz 44: 23-81.

Bearbeitungsstand und Bearbeiter des Artensteckbriefes

Offizieller Artensteckbrief des LfULG; Stand: 22.08.2016; Bearbeiter: Jörg Huth, Hans-Markus Oelerich (Halle); Hinweise und Änderungsvorschläge bitte an: Heiner.Blischke@smul.sachsen.de

Legende zum Artensteckbrief unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22872.htm; Informationen zur Artengruppe für Sachsen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/23211.htm