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Phalacrocorax carbo (Linnaeus, 1758) / Kormoran (Sachsen)

Rechtlicher Schutz und Rote Liste


Artenschutzrechtlicher Schutzstatus:BG (besonders geschützt)
Rote Liste Deutschland:* (derzeit keine Gefährdung)
Rote Liste Sachsen:V (zurückgehende Art lt.Vorwarnliste, zurückgehende Pflanzengesellschaften (keine Gefährdungskategorie!))

Allgemeine Arteninformationen


Taxonomie

6 Unterarten, in Mitteleuropa brütet die Unterart Phalacrocorax carbo sinensis (Blumenbach, 1798)

Kennzeichen

Der Kormoran ist ein knapp gänsegroßer schwarzer Wasservogel. Im Brutkleid hat das überwiegend schwarze Gefieder einen grünen Metallschimmer und am Hinterkopf ist ein Federschopf ausgebildet. Auffällig abgesetzt sind die weiße Wange und das weiße Kinn sowie ein weißer Fleck am äußeren Schenkelansatz. Kopf und Hals sind mit zahlreichen feinen weißen Federn besetzt. Im Gesicht fallen zudem der gelbe Schnabelgrund und das grüne Auge auf. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt. Im Schlichtkleid fehlen die kontrastreichen weißen Stellen an Kopf und Schenkeln und der Schopf ist nur angedeutet.

Biologie und Ökologie

In Mitteleuropa ist der Kormoran Brutvogel an Binnen- und Küstengewässern. Er brütet in Kolonien, meist auf gewässernahen Laubbäumen oder im Gewässer stehenden Bäumen sowie bevorzugt auf Inseln. An der Küste gibt es auch Bodenbruten auf baumlosen Inseln. Es findet eine Jahresbrut statt (3-4 Eier, Brutdauer 23-30 Tage, Nestlingszeit ca. 50 Tage).
Als Nahrung dienen hauptsächlich Fische (bevorzugt 10-20 cm lang). Die Wahl der Nahrung richtet sich nach dem Angebot, an Binnenseen werden vor allem Weißfischarten gefressen. Nahrungsreviere liegen im Umkreis bis 15 km um die Kolonie, teilweise auch darüber hinaus.
Das Zugverhalten des Kormorans ist je nach Vorkommensgebiet unterschiedlich, er ist Strichvogel, Teilzieher oder Zugvogel. Mitteleuropäische Vögel ziehen über Land nach Südwest bis Südost. Die Winterquartiere reichen von Südwest-Deutschland (z. B. Bodensee) bis zum Mittelmeerraum und Nord-Afrika. Auch im mittleren und nördlichen Deutschland überwintern Kormorane in geringer Zahl, bei Kälteeinbrüchen kommt es aber zur Winterflucht.

Überregionale Verbreitung

Der Kormoran ist Brutvogel in Europa, Asien, Australien, Neuseeland, Afrika, an der Ost-Küste Nord-Amerikas und auf Grönland. Das Areal ist z. T. sehr aufgesplittert und hat viele Verbreitungslücken. In Europa gibt es zwei Unterarten. Phalacrocorax carbo carbo lebt an den felsigen Küsten West- und Nordeuropas. Phalacrocorax carbo sinensis, die vorwiegend baumbrütende Festlandrasse, hat mehrere Verbreitungsschwerpunkte: Niederlande, Norddeutschland bis Baltikum sowie Teile Südosteuropas, Donauraum, Schwarzes Meer und Kaspisches Meer. In Europa sind Verbreitung und Bestandsentwicklung starken Fluktuationen unterworfen, da sich große Kolonien schnell entwickeln können, dann aber oft vom Menschen zerstört werden.
In Deutschland ist der Kormoran schwerpunktmäßig im Norddeutschen Tiefland verbreitet. Die größten aktuellen Brutvorkommen bestehen an der Ostseeküste des östlichen Mecklenburg-Vorpommerns. Größere Ansiedlungen finden sich auch an der Nordsee und an den Seen Mecklenburgs, Schleswig-Holsteins und Brandenburgs. Weitere Brutvorkommen im Binnenland gibt es vor allem an und in der Nähe von Flüssen. Dabei befinden sich viele Ansiedlungen am Rhein, einzelne an den Rhein-Nebenflüssen sowie an Elbe, Weser, Havel, Saale und Oder. Ansonsten ist der Kormoran sehr zerstreut an Seen und Teichen des Binnenlandes verbreitet (z. B. Bayern, südliches Sachsen-Anhalt, Sachsen).

Erhaltungszustand


Erhaltungszustand

günstig

Prüfung und Erfassung


Verantwortlichkeit (Sachsen)

Anteil Sachsen am deutschen Brutbestand: 0,8 %

Hinweise für Artenschutzprüfung

  • Vogelart mit hervorgehobener artenschutzrechtlicher Bedeutung
  • Einzelvorkommen als Bezug für die lokale Population bei artenschutzrechtlichen Prüfungen

Betrachtungsschwerpunkt Artenschutzprüfung

Brut- und Gastvogelaspekt

Untersuchungsstandards

Methodik, Wertungsgrenzen und Zeitraum der Brutvogelerfassung gemäß Südbeck et al. (2005)
Hinweise: in Kolonien z. T. stark asynchrones Brüten und Zunahme der Anzahl besetzter Horste bis Ende Mai; neue Brut-Ansiedlungen oft an bisherigen Schlafplätzen

Sonstige Arten-Attribute

  • windkraftempfindlich
  • Brutvogelart des SPA-Fachkonzeptes (im weiteren Sinne, Tab. 3)
  • Wasservogelart des SPA-Fachkonzeptes (Tab. 4)
  • Vogelart in den SPA-Standarddatenbögen (alt)
  • Vogelart des SPA-Monitorings (Brutvögel)

Mortalitäts-Gefährdungs-Index (MGI)

  • als Brutvogel: III.6 (mittel)
  • als Gastvogel: III.6 (mittel)

Naturschutzfachlicher Wert-Index (NWI)

  • als Brutvogel: 4 (gering)
  • als Gastvogel: 4 (gering)

Populationsökologischer Sensitivitäts-Index (PSI)

  • als Brutvogel: 3 (hoch)
  • als Gastvogel: 3 (hoch)

Vorkommen


Status Etablierung

Indigene, Ureinheimische (Reproduktion)

Status Vögel

Brutvogel, Gastvogel

Bemerkung zum Status

Jahresvogel (Sommervogel), Teilzieher, Durchzügler, Jahresgast

Langfristiger Bestandstrend

deutliche Zunahme

Kurzfristiger Bestandstrend

deutliche Zunahme

Bestand

Brutbestand in Sachsen (nach Steffens et al. 2013):
1978-1982: 0 BP
1993-1996: 10-130 BP
2004-2007: 150-250 BP

Vorkommenskarte

Vorkommenskarte

Naturraumkarte

Naturraumkarte

Phänologie


Phänogramm

Phänogramm

Erläuterung Phänologie

Der Heim- und Durchzug in die Brutgebiete beginnt in Sachsen Ende Februar/Anfang März, selten früher. Die Brutkolonien werden ab Mitte/Ende März besetzt, Nestbau und Brut beginnen ab Anfang/Mitte April. Teilweise kommt es zu einem stark asynchronen Brüten innerhalb einer Kolonie mit der Folge der Zunahme der Anzahl besetzter Horste bis Ende Mai. Die meisten Jungen werden Ende Juni flügge, die vollständige Kolonieauflösung kann sich aber bis Mitte August hinziehen. Im Sommer und Herbst halten sich größere Rasttrupps an Seen und Teichen auf. Der Hauptdurchzug ist von Ende September bis Mitte November festzustellen (Maximalzahlen Ende September/Anfang Oktober). Gelegentlich treten Überwinterer auf (Steffens et al. 1998, 2013).

Lebensraum


Die Brutkolonien liegen an störungsarmen Standgewässern mit älterem (Laubholz-) Baumbestand in Gewässernähe oder auf Inseln. In Sachsen kommt der Kormoran vor allem an Bergbaurestgewässern und in Teichgebieten vor. Wegen Verfolgung und Vergrämung (insbesondere in Teichgebieten) bestehen oft nur sporadische Ansiedlungen und es kommt zu starken Bestandsschwankungen. Die Art brütet an gefluteten Tagebaurestseen gern auf im Wasser stehenden absterbenden Baumbeständen (hier jedoch meist sukzessiver Habitatverlust durch vollständige Überflutung oder allmähliches Zusammenbrechen der Brutgehölze). Nahrungshabitate sind größere fischreiche Gewässer, vor allem Teiche, aber auch Tagebaurestseen und (meist größere) Flüsse. An Flüssen können Kormorane auch länger im Winter bei Vereisung der Standgewässer ausharren. An den Nahrungsgewässern werden erhöhte Sitzwarten zum Gefiedertrocknen und Ruhen genutzt (z. B. Inseln, trockene Bäume und Totholz am und im Wasser, überhängende Bäume mit freien Sitzästen am Gewässerufer, Schifffahrtszeichen, Pfähle, Flussbuhnen, Sand- und Schlickbänke in teilabgelassenen Teichen).

Lebensräume nach Artenschutzrecht

Fortpflanzungsstätten:
Fortpflanzungsstätte ist die Brutkolonie (Nestbaumbestand).

Ruhestätten:
Die Kolonie ist zur Brutzeit gleichzeitig auch Ruhestätte. Ruhestätten an Rast- und Nahrungsgewässern sind regelmäßig genutzte Sitzwarten, Schlaf- und Tagesrastplätze vor allem auf Inseln, gewässernahen Bäumen mit freien Sitzästen und weiteren Ansitzstrukturen (siehe oben). Von besonderer artenschutzrechtlicher Relevanz sind neben den Brutkolonien regelmäßig frequentierte Schlafplätze.

Habitatkomplexe

  • Fließgewässer, Quellen
  • Gehölze, Baumbestand
  • Stillgewässer inkl. Ufer

Habitatkomplexe Reproduktion

  • Gehölze, Baumbestand

Höhenstufen

  • collin
  • planar

Sonstiges


Literatur

Bezzel, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Nonpasseriformes – Nichtsingvögel. AULA-Verlag, Wiesbaden.

Bernotat, D. & Dierschke, V. (2015): Übergeordnete Kriterien zur Bewertung der Mortalität wildlebender Tiere im Rahmen von Projekten und Eingriffen 2. Fassung - Stand 25.11.2015. (Studie als PDF-Datei)

Dürr, T. (2015): Vogelverluste an Windenergieanlagen in Deutschland - Daten der zentrale Fundkartei der Staatlichen Vogelschutzwarte im Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg, Stand 01.06.2015. Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) des Landes Brandenburg. (Excel-Tabelle 'Vogelverluste an Windenergieanlagen in Deutschland')

Gedeon, K.; Grüneberg, C.; Mitschke, A.; Sudfeldt, C.; Eikhorst, W.; Fischer, S.; Flade, M.; Frick, S.; Geiersberger, I.; Koop, B.; Kramer, M.; Krüger, T.; Roth, N.; Ryslavy, T.; Stübing, S; Sudmann, S. R.; Steffens, R.; Vökler, F. & Witt, K. (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten. Atlas of German Breeding Birds. Stiftung Vogelmonitoring Deutschland und Dachverband Deutscher Avifaunisten (Hrsg.), Münster.

LAG VSW (Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten)(2014): Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten. Ber. Vogelschutz 51: 15-42. (Veröffentlichung als PDF-Datei)

LUBW (2015): Hinweise zur Bewertung und Vermeidung von Beeinträchtigungen von Vogelarten bei Bauleitplanung und Genehmigung für Windenergieanlagen. LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (Veröffentlichung als PDF-Datei)

Steffens, R.; Nachtigall, W.; Rau, S.; Trapp, H. & Ulbricht, J. (2013): Brutvögel in Sachsen. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden. (als PDF-Dateien unter Brutvögel in Sachsen, Seiten 1-247 sowie S. 248-436 bzw. S. 437-656)

Steffens, R.; Saemann, D. & Grössler, K. (Hrsg.) (1998): Die Vogelwelt Sachsens. Gustav Fischer Verlag, Jena.

 Stiefel, A. (1979): Ruhe und Schlaf bei Vögeln. Die Neue Brehm-Bücherei 487. Ziemsen-Verlag, Wittenberg.

Südbeck, P.; Andretzke, H.; Fischer, S.; Gedeon, K.; Schikore, T.; Schröder, K. & Sudfeldt, C. (Hrsg.) (2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Radolfzell.

Südbeck, P.; Bauer, H.-G.; Boschert, M.; Boye, P. & Knief, W. (2007): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands, 4. Fassung, 30. November 2007. Ber. Vogelschutz 44: 23-81.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kormoran

http://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/vogelschutz/vdj/2010_kormoran/nabu_vdj2010_broschuere.pdf

Bearbeitungsstand und Bearbeiter des Artensteckbriefes

Offizieller Artensteckbrief des LfULG; Stand: 31.08.2016; Bearbeiter: Jörg Huth, Hans-Markus Oelerich, Michael Reuter (Halle); Hinweise und Änderungsvorschläge bitte an: Heiner.Blischke@smul.sachsen.de

Legende zum Artensteckbrief unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22872.htm; Informationen zur Artengruppe für Sachsen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/23211.htm