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Pseudotsuga menziesii (Mirb.) Franco / Douglasie (Sachsen)

Synonyme


Abies menziesii Mirb., Pseudotsuga taxifolia (Poir.) Britton

Rechtlicher Schutz und Rote Liste


Rote Liste Sachsen:(*)

Allgemeine Arteninformationen


Taxonomie

Verbreitet ist die Unterscheidung der Küstenform Pseudotsuga menziesii var. menziesii mit bis zu 3,5 cm langen, reingrünen Nadeln von der Inlandform Pseudotsuga menziesii var. glauca mit kürzeren, bläulich-grünen Nadeln.

Kennzeichen

Fichtenähnlicher, großer Baum bis max. 50-60 m hoch. Nadeln abgeflacht und an der Basis stielartig verschmälert. Unterseitig zwei silbergraue sichtbare Spaltöffnungsstreifen. Nadeln wie bei den Tannen mehr oder weniger zweizeilig an den Zweigen. Beim Zerreiben entwickeln sie einen intensiven Orangenduft. Hängende Zapfen 5-10 cm lang mit langen, herausragenden 3-zipfeligen Schuppen. Samen geflügelt. Verwechslungsmöglichkeit mit der Weiß-Tanne (Abies alba, Zapfen stehend, Schuppen blättern bei Samenreife einzeln ab).

Lebensweise

Wuchsverhalten: Die Douglasie gilt als langlebiger Pionier (500-700, ausnahmsweise bis 1400 Jahre); die Küstenform kann bis zu 1.000 Jahre alt und dabei 110 m hoch werden. In der Jugend relativ schattentolerante Licht- bis Halbschattenart. Enorme Wuchsleistungen, gute Trockenresistenz und hohe Qualität des Holzes. Als Mineralbodenkeimer verjüngen sich Douglasien gut auf ärmeren Waldstandorten. Jungwuchs auch in Gärten und Parkanlagen. Trockene und felsige Standorte werden tiefer als von Fichten oder Wald-Kiefern durchwurzelt.
Vegetative Ausbreitung: Verjüngt sich ausschließlich generativ
Generative Ausbreitung: Fruchtet schon mit 12-15 Jahren. Samenproduktion zunächst gering und auch später unregelmäßig, erreicht erst nach 200-300 Jahren ihr Maximum. Mastjahre treten im Schnitt alle 14 Jahre auf. Keimfähigkeit bleibt unter natürlichen Bedingungen i.d.R. nur ein Jahr erhalten. Keimung auch im Schatten. Bodenstörungen fördern das Auflaufen von Keimlingen.
Verbreitungswege: Windverbreitung. Die meisten Samen gehen im Umkreis von 100 m nieder. Eine Fernausbreitung der flugfähigen Samen ist bis 2 km bekannt. Die Art ist im Handel verfügbar.

Überregionale Verbreitung

Herkunftsgebiet: Westliches Nordamerika von Kanada bis Nordmexiko
Aktuelle Verbreitung in Europa: Weit verbreitet. Die Douglasie sollte mittelfristig in Frankreich, den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Dänemark und Großbritannien eine der wichtigsten Waldbaumarten werden (www.europe-aliens.org). Zumindest in Deutschland, aufgrund des möglichen Invasionsrisikos, aktuell wieder Abkehr von diesem Ziel.
Aktuelle Verbreitung in Deutschland: In Südwestdeutschland verbreitet, im Norden und Osten selten bis zerstreut, Anbauschwerpunkte sind Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg; Waldflächenanteil von 2 % (BMEL 2014) (www.deutschlandflora.de). Starke Zunahme der Funde in Deutschland seit 1990.

Vorkommen


Status Etablierung

Neobiota, etabliert

Bemerkung zum Status

Wegen ihres Vorkommens auch in naturnaher Vegetation (Birken-Traubeneichen-Wälder und waldfreien Felsstandorten) gilt die Art in Deutschland als Agriophyt (eingeschleppte Art, die in naturnahe Vegetation eindringt und auch ohne den Einfluss des Menschen dort bleibt).

Bemerkungen Neobiota

(*) Neobiota etabliert, stabil oder in Ausbreitung befindlich

Nachweisabsicherung

Nein

Kurzfristiger Bestandstrend

deutliche Zunahme

Bestand

Aktuelle Verbreitung in Sachsen: Findet sich nicht selten in Parks und größeren Gärten (Leipzig, Gutte 2006). In der Oberlausitz zwischen 1950 und 1990 in fast allen Waldgebieten angebaut. Vereinzelt treten auch ältere Douglasien auf (Otto 2012). Anbau nimmt zu, vor allem auch im Privatwald.

Verbreitung und Einbürgerung

Einbürgerungszeit: In Europa seit 1827 kultiviert („Exotenanbau“), gegen 1880 im Sachsenwald erste forstliche Versuchsanbauten. Zwischen 1950 und 1990 wurde vor allem die Küsten-Douglasie (Pseudotsuga menziesii var. menziesii) angebaut. 1964 in Berlin nachgewiesen.
Einbürgerungsgrad in Sachsen: Vollständig
Einbürgerungsweise: Durch Forstwirtschaft. Von den Pflanzungen ausgehend breitet sich die Douglasie durch Windtransport der Samen aus.

Vorkommenskarte

Vorkommenskarte

Phänologie


Phänogramm

Phänogramm

Lebensraum


Lebensraum im Herkunftsgebiet: In temperaten Regenwäldern in Reinbeständen oder mit anderen Nadelbäumen vergesellschaftet, von Meereshöhe bis 2900 m. Die Niederschläge variieren von 750 bis 3000 mm und fallen zum großen Teil im Winter.
Lebensraum in Sachsen: Außerhalb von Siedlungen, in denen sich die Douglasie in Gärten und Parkanlagen verjüngt, ist ihre Ausbreitung stark an forstliche Pflanzungen und deren näheres Umfeld (z. B. Wegböschungen) gebunden. Die Verbreitung stimmt daher weitgehend mit den forstlichen Anbaugebieten überein, die sich auf bodensaure, oft flachgründige Standorte im Flachland und in der kollinen und submontanen Stufe der Mittelgebirge konzentrieren. In höheren Lagen wächst die Fichte zumeist besser.

Ökologische Charakterisierung

  • Nadelwald

Höhenstufen

  • collin
  • montan
  • planar

Management


Beurteilung

Naturschutzfachliche Beurteilung:
• Neben Douglasienforsten, in denen sich die Art gut verjüngt, wandern Douglasien auch in Kiefern- und Lärchenforste ein, in Laubwälder auf Buchenstandorten dagegen kaum mit Ausnahme von Birken-Traubeneichenwäldern auf flachgründigen, bodensauren Felsstandorten.
• Vordringen der Douglasie auf potenziell waldfreie flachgründige, nährstoffarme Felsstandorte mit Veränderung von Vegetationsstrukturen (Knoerzer 1999).
• Veränderung der Nährstoffdynamik und des Bodenchemismus zu erwarten, da der Nadelfall zur Stickstoffanreicherung und Versauerung tieferer Bodenschichten führt (Starfinger & Kowarik 2007).
• Veränderung von Nahrungsbeziehungen (geringere Arthropodendichten, Goßner & Utschick 2001, 2004)
• Die meisten großflächigen Bestände weisen noch ein geringes Alter auf, so dass die Phase der Massenausbreitung in vielen Gebieten erst einsetzt. Zudem ist das momentan potenziell besiedelbare Areal in Deutschland erst zu einem Siebtel ausgefüllt (Kleinbauer et al. 2010). Aufgrund der guten Naturverjüngung auf armen Standorten ist vor allem dort mit einer zahlreichen Verjüngung zu rechnen.

Betroffene Schutzgüter: bodensaure Felsstandorte

Wirtschaftliche Beurteilung: Hohe ökonomische Bedeutung in der Forstwirtschaft: sie produziert schneller Holz als alle einheimischen Baumarten, hat gute Holzeigenschaften, wenige Schädlinge und heilt Stammschäden schnell aus. Negative Auswirkungen wurden bisher nicht bilanziert.

Negative gesundheitliche Auswirkungen: Keine gesundheitlichen Auswirkungen bekannt oder zu erwarten.

Wissensdefizite in Sachsen: Invasionsrisiko der Art

Fazit für Sachsen: Trotz großer ökonomischer Bedeutung ist vergleichsweise wenig über die mit ihr verbundenen Invasionsfolgen bekannt. Daher besteht eine kontroverse Diskussion, ob die Douglasie als invasive Baumart zu werten ist. Vom sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie wird sie gegenwärtig als nicht invasiv eingeschätzt. Die standörtlichen Auswirkungen der Douglasie lassen sich u.a. aufgrund der jungen Bestände noch nicht abschließend beurteilen.

Management

Präventive Maßnahmen:
• Eine Überarbeitung bzw. Anpassung von Anbauvorschriften, vor allem hinsichtlich geeigneter Standorte für diese Baumart ist zu empfehlen (Pukall 2014)
• In der Nähe von natürlichen oder naturnahen Biotopen sollte ganz auf die Anpflanzung von Douglasie verzichtet werden. Um einen gefährdeten Biotop Pufferzonen von mehreren hundert Metern bis zu zwei Kilometern einrichten. Falls innerhalb dieser Pufferzone bereits Douglasien vorhanden sind, sollten diese geentet werden, bevor die Samenproduktion einsetzt.
 
Bekämpfungsstrategien: Über eine Bekämpfung aus Naturschutzgründen gibt es nur wenig Erfahrung. Möglich sind Fällungen von Altbäumen, Mähen der Naturverjüngung oder eine stammumfassende Ringelung (Schmiedel et al. 2015). 

Weitere Managementmaßnahmen: Am günstigsten wäre die Durchsetzung eines Managementkonzepts, das den Schutz empfindlicher Biotope gewährleistet und den Anbau auf weniger empfindlichen Flächen zulässt. Prinzipiell sollte die Bekämpfung in einem integrierten Anbaukonzept die Ausnahme bleiben, da sie hohe Kosten verursacht und auf den Felsstandorten oft unfallträchtig ist. Auch die waldbauliche Behandlung kann zur Verminderung von Naturschutzproblemen beitragen, z. B. indem man die Douglasie nicht höher als 40 m werden lässt, um die Fernausbreitung der Samen zu begrenzen. Waldbauliches Leitbild sollten standortgerechte, strukturreiche Douglasien-Mischbestände sein. Die Douglasie lässt sich mit einheimischen Baumarten, insbesondere mit der Buche, aber auch mit der Fichte oder durch Voranbau unter Kiefer gut mischen. Ausführliche Informationen zum Douglasienanbau mit Hinweisen für private Waldbesitzer sind verfügbar unter https://www.smul.sachsen.de/sbs/download/FB_Douglasienanbau.pdf

Handlungsbedarf: Aufgrund des möglichen Invasionsrisikos sollte ein besonderes Augenmerk auf einen langfristig verantwortungsbewussten forstwirtschaftlichen Umgang mit der Douglasie gelegt werden.

Für das Management von Neobiota in Sachsen beachten Sie auch die offiziellen Seiten des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL): http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/34835.htm ; insbesondere auch die Arbeitshilfen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/34838.htm

Zentrales Medium für die Sammlung von Artdaten in der Naturschutzverwaltung des Freistaates Sachsen ist die Zentrale Artdatenbank beim LfULG: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/8048.htm ;
Aktuelle Übersichtskarten der Verbreitung von Arten in Sachsen können unter folgendem Link abgerufen werden: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/cadenzaweb2014/commands.xhtml?Login.Anonymous</p
Meldungen an die Regionalverantwortlichen der Arbeitsgemeinschaft sächsischer Botaniker (AGsB) werden jährlich in die Zentrale Artdatenbank übernommen.

Handlungsbedarf Neobiotamanagement

Handlungsbedarf Neobiotamanagement

Art als nichtproblematisch oder invasiv eingeschätzt

Sonstiges


Literatur

Sachsen:
Gutte, P. (2006): Flora der Stadt Leipzig einschließlich Markkleeberg. Weissdorn-Verlag, Jena, 278 S.
Gutte, P., Hardtke, H.-J., & Schmidt, P. (2013): Die Flora Sachsens und angrenzender Gebiete. Ein pflanzenkundlicher Exkursionsführer. Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim, 983 S.
Hardtke, H.-J., Ihl, A. (2000): Atlas der Farn- und Samenpflanzen Sachsens. In: Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.): Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege. Dresden. 806 S.
Otto, H.-W. (2004): Die Farn- und Samenpflanzen der Oberlausitz. Berichte der naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz. 12. Görlitz.
Otto, H.-W. (2012): Die Farn- und Samenpflanzen der Oberlausitz. Verzeichnis der in der sächsischen und brandenburgischen Oberlausitz wildwachsenden Gefäßpflanzen sowie der forst- und landwirtschaftlichen Nutzpflanzen und der verwilderten Zierpflanzen. Berichte der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz, Supplement zu Band 20, Görlitz.

Weiterführende Literatur:
BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) 2014. Bundeswaldinventur 3.
Budde, S. & Schmidt, W. (2005): Impact of introduced Pseudotsuga menziesii (Douglas fir) on understory vegetation: a comparison with native Fagus sylvatica (European Beech) and Pinus sylvestris (Scots Pine) forests. Neobiota 6, 79-88.
Bürger-Arndt, R. (2000): Kenntnisse zur Synökologie der Douglasie als Grundlage für eine naturschutzfachliche Einschätzung. – Forst und Holz 55 (22), S. 707-712.
Deutscher Forstwirtschaftsrat (2015): Douglasie und Roteiche sind keine invasiven Baumarten: Forstwissenschaftler legen ausführliche Studie über gebietsfremde Baumarten in der Forstwirtschaft vor. 23.2.2015. www.dfwr.de.
Goßner, M. (2004): Diversität und Struktur arborikoler Arthropodenzönosen fremdländischer und einheimischer Baumarten. Ein Beitrag zur Bewertung des Anbaus von Douglasie (Pseudotsuga menziesii (Mirb.) Franco) und Roteiche (Quercus rubra L.). Neobiota 5, 324 S.
Höltermann, A., Klingenstein, F. & Ssymank, A. (2009): Naturschutzfachliche Bewertung der Douglasie aus Sicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). LWF Wissen 59, 74-81.
Kleinbauer, I., Dullinger, S., Klingenstein, F., May, R., Nehring, S. & Essl, F. (2010): Ausbreitungspotenzial ausgewählter neophytischer Gefäßpflanzen unter Klimawandel in Deutschland und Österreich. BfN-Skripten 275, 76 S.
Knoerzer, D. (2002): Strategien und Maßnahmen bei der Douglasienbewirtschaftung –zur Steuerbarkeit der spontanen Ausbreitung. Neobiota 1, 311-328.
Kowarik, I. (2010): Biologische Invasionen: Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. 2. Aufl., Ulmer, Stuttgart, 492 S.
Michels, C. (2014): Douglasie – eine invasive Art? Anbau der Douglasie aus Sicht des Naturschutzes. - Natur in NRW 4/2014, S. 27-31.
Nehring, S., Kowarik, I., Rabitsch, W. & Essl, F. (2013): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen. BfN-Skripten 352. http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/service/skript352.pdf
Schmidt, P. A. & Hecker, U. (2009): Taschenlexikon der Gehölze. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter. Wiebelsheim: Quelle & Meyer. 665 S.
Pukall, K. (2014): Die Douglasie - eine invasive Art!? AFZ- Der Wald (6), S. 14-15.
Schmiedel, D., Wilhelm, E.-G., Nehring, S., Scheibner, C., Roth, M. & S. Winter (2015): Management-Handbuch zum Umgang mit gebietsfremden Arten in Deutschland. Band 1: Pilze, Niedere Pflanzen und Gefäßpflanzen. Naturschutz und Biologische Vielfalt 141/1. Bonn- Bad Godesberg, Landwirtschaftsverlag.
Vor, T., Spellmann, H., Bolte, A. & Ammer, C. (2015): Potenziale und Risiken eingeführter Baumarten: Baumartenportraits mit naturschutzfachlicher Bewertung. 233 S. www.dfwr.de/presse/pressemitteilungen/Studie_Potenziale_Risiken_eingefuehrter_Baumarten_Finalfassung.pdf
Zentralverband Gartenbau (2008): Umgang mit invasiven Arten. Empfehlungen für Gärtner, Planer und Verwender. Zentralverband Gartenbau: 37 S. http://www.g-net.de/download/Empfehlung-Invasive-Arten.pdf

Links:
http://www.neobiota.de/12630.html , abgerufen am 29.05.2015
http://www.korina.info/?q=node/66 , abgerufen am 29.05.2015
http://www.baumkunde.de/Pseudotsuga_menziesii/ , abgerufen am 29.05.2015
https://www.smul.sachsen.de/sbs/download/FB_Douglasienanbau.pdf

Bearbeitungsstand und Bearbeiter des Artensteckbriefes

Offizieller Artensteckbrief des LfULG; Stand: 05.07.2015; Bearbeiter: Dr. Uta Kleinknecht, Uta Glinka (IVL);
Hinweise und Änderungsvorschläge bitte an: dietmar.schulz@smul.sachsen.de
Legende zum Artensteckbrief unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22872.htm
Informationen zur Artengruppe für Sachsen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/23411.htm
Informationen zu Neobiota: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/34835.htm