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Porzana parva (Scopoli, 1769) / Kleinralle (Sachsen)

Synonyme


Kleines Sumpfhuhn

Rechtlicher Schutz und Rote Liste


Artenschutzrechtlicher Schutzstatus:SG (streng geschützt)
Vogelschutzrichtlinie Schutzstatus:VRL-Anh.I (Art des Anhang I der Vogelschutzrichtlinie)
Rote Liste Deutschland:3 (gefährdet)
Rote Liste Sachsen:R (extrem selten)

Allgemeine Arteninformationen


Taxonomie

keine Unterarten

Kennzeichen

Die Kleinralle ist knapp starengroß und deutlich kleiner als die Tüpfelralle. Auf der Oberseite ist sie olivbraun gefärbt mit gelblichbraunen und schwarzen Längsstreifen und wenigen weißen Fleckenreihen. Die Unterschwanzdecken sind schwarz-weiß quergebändert. Beine und Schnabel sind grünlich und die Schnabelbasis ist rot gesäumt. Das adulte Männchen hat eine schiefergraue Unterseite, das Weibchen ist unterseits hell sandfarben bis rostbräunlich. Jungvögel sehen dem Weibchen ähnlich, sind aber insgesamt heller gefärbt und haben eine Flankenbänderung. Der Reviergesang des Männchens ist sehr markant und nachts 1-2 km weit hörbar (eine nasale, am Schluss absinkende Rufreihe „koA-koA-...“). Der Kleinralle sehr ähnlich und gleich groß ist die Zwergralle (Porzana pusilla). Sie ist in Mitteleuropa noch seltener als die Kleinralle und unterscheidet sich vor allem durch ihre Stimme von dieser.

Biologie und Ökologie

Die Kleinralle besiedelt tiefer unter Wasser stehende Verlandungszonen (über 20 cm Wassertiefe) mit mehrjährigen Röhrichten und Großseggenrieden. Sie brütet bevorzugt in dichten Beständen des Schmalblättrigen Rohrkolbens, sowie in Rohrkolben/Schilf- und Seggen/Schilf-Mischbeständen mit kleinen, gut gedeckten Wasser- und Schlickflächen sowie Lagen umgeknickter Schilfhalme.
Die Kleinralle ist Einzelbrüter, es kann aber bei hohen Dichten auch zu kolonieartigem Brüten kommen. Wahrscheinlich finden regulär zwei Jahresbruten statt. Das Vollgelege enthält 4-8 (bis 11) Eier. Die Brutdauer beträgt 21-23 Tage. Die Küken bleiben bis 8 Tage im Nest und werden dann von den Eltern geführt. Sie sind mit 45-50 Tagen voll flugfähig.
Die Kleinralle ist ein Mittel- bis Langstreckenzieher, der in Südwest-Europa, im Mittelmeerraum und im nördlichen Afrika bis Senegal und Kenia sowie vom Persischen Golf bis Nordindien überwintert.

Überregionale Verbreitung

Die Kleinralle ist Brutvogel der westpaläarktischen Niederungsgebiete und in einem geschlossenem Areal von der polnischen und ungarischen Tiefebene bis Westsibirien verbreitet. Westlich davon kommt sie nur sehr lückenhaft vor. Die europäischen Hauptvorkommen befinden sich in der Ukraine, in Russland und Österreich.
Deutschland liegt an der westlichen Grenze des geschlossenen Verbreitungsgebietes. Daher existieren hier nur kleine, isolierte Vorkommen, fast ausschließlich im Nordostdeutschen Tiefland (Schwerpunkte: Peene- und Trebelniederung, Mecklenburger Seen, Uckermark, Havelland, Saale-Elster-Aue bei Halle, Lausitz).

Erhaltungszustand


Erhaltungszustand

nicht bewertet

Prüfung und Erfassung


Verantwortlichkeit (Sachsen)

Anteil Sachsen am deutschen Brutbestand: 4,3 %

Hinweise für Artenschutzprüfung

  • Vogelart mit hervorgehobener artenschutzrechtlicher Bedeutung
  • Einzelvorkommen als Bezug für die lokale Population bei artenschutzrechtlichen Prüfungen

Betrachtungsschwerpunkt Artenschutzprüfung

Brutvogelaspekt

Untersuchungsstandards

Methodik, Wertungsgrenzen und Zeitraum der Brutvogelerfassung gemäß Südbeck et al. (2005)
Hinweise: Einsatz einer Klangattrappe notwendig; Nachweise sind der Avifaunistischen Kommission Sachsens (AKS) zu melden

Sonstige Arten-Attribute

  • Besonders störungsempfindlich (TK25-Viertelquadrant)
  • Brutvogelart des SPA-Fachkonzeptes (im engeren Sinne, Tab. 1+2)
  • Triggerart (Vögel) - Brut
  • Brutvogelart der SPA-Erhaltungszieleverordnungen
  • Vogelart in den SPA-Standarddatenbögen (alt)
  • Brutvogelart in den SPA-Standarddatenbögen (neu) - Fortpflanzung
  • Vogelart des SPA-Monitorings (Brutvögel)

Mortalitäts-Gefährdungs-Index (MGI)

  • als Brutvogel: II.5 (hoch)
  • als Gastvogel: III.7 (mittel)

Naturschutzfachlicher Wert-Index (NWI)

  • als Brutvogel: 1 (sehr hoch)
  • als Gastvogel: 3 (mittel)

Populationsökologischer Sensitivitäts-Index (PSI)

  • als Brutvogel: 5 (mittel)
  • als Gastvogel: 5 (mittel)

Vorkommen


Status Etablierung

Indigene, Ureinheimische (Reproduktion)

Status Vögel

Brutvogel

Bemerkung zum Status

Sommervogel, Durchzügler

Nachweisabsicherung

Ja

Langfristiger Bestandstrend

starker Rückgang

Kurzfristiger Bestandstrend

  • gleichbleibend
  • deutliche Zunahme

Bestand

Brutbestand in Sachsen (nach Steffens et al. 2013):
1978-1982: 0-2 BP
1993-1996: 1-3 BP
2004-2007: 6-12 BP

Vorkommenskarte

Vorkommenskarte

Naturraumkarte

Naturraumkarte

Phänologie


Phänogramm

Phänogramm

Erläuterung Phänologie

Einzelne Vögel werden bereits in der zweiten Aprildekade festgestellt. Die Besetzung der meisten Reviere geschieht jedoch erst im Mai. Der Balzgesang von unverpaarten Individuen ist noch bis zur ersten Julihälfte zu hören. Der Brutbeginn liegt in Mitteleuropa im Zeitraum Mai bis Juli (meist Ende Mai bis Ende Juni). Der Weg- und Durchzug findet wahrscheinlich vor allem im August und September statt (Steffens et al. 2013).

Lebensraum


Die Kleinralle bevorzugt Gewässer mit einem relativ hohen Wasserstand. In einigen sächsischen Revieren konnten Wassertiefen von mindestens einem Meter ermittelt werden. In der Oberlausitz zeigt die Art eine Präferenz für Rohrkolbenbestände, mitunter kommt sie aber auch in Schilfröhrichten oder in Schilf-Rohrkolben-Mischbeständen vor. Notwendig sind stets mehrjährige Pflanzen, die eine ausgeprägte Knickschicht bilden (zur Nestanlage und besseren Fortbewegung). Als Lebensraum dienen in Sachsen vor allem Fischteiche, mitunter aber auch andere stehende Gewässer mit großen strukturreichen Verlandungszonen, z. B. in Bergbaufolgelandschaften (Steffens et al. 2013).

Lebensräume nach Artenschutzrecht

Fortpflanzungsstätten:
Die Fortpflanzungsstätte umfasst das Brutrevier (mit Brutplatz, Balz, Territorialverhalten, Reviermarkierung) einschließlich des Aufzuchtreviers, in dem die noch nicht flugfähigen Jungen von den Altvögeln geführt werden. Die Art wird in der Regel nur akustisch erfasst, deshalb sollte eine zusammenhängende Röhricht-/Verlandungszone, in der revieranzeigende Rufe festgestellt wurden, als Fortpflanzungsstätte betrachtet werden. Nach Flade (1994) ist der Raumbedarf zur Brutzeit kleiner als 0,25 ha.

Ruhestätten:
Die Ruhestätten liegen in der Brutzeit innerhalb des Brut- und Aufzuchtreviers, auf dem Durchzug innerhalb der Rastgewässer.

Habitatkomplexe

  • Bergbaubiotope
  • Stillgewässer inkl. Ufer
  • Sümpfe, Niedermoore, Ufer

Habitatkomplexe Reproduktion

  • Bergbaubiotope
  • Stillgewässer inkl. Ufer
  • Sümpfe, Niedermoore, Ufer

Höhenstufen

  • collin
  • planar

Sonstiges


Literatur

Bauer, H.-G.; Bezzel, E. & Fiedler, W. (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes - Nichtsperlingsvögel, 2. Aufl., Wiebelsheim.

Bernotat, D. & Dierschke, V. (2015): Übergeordnete Kriterien zur Bewertung der Mortalität wildlebender Tiere im Rahmen von Projekten und Eingriffen 2. Fassung - Stand 25.11.2015. (Studie als PDF-Datei)

Ernst, S. (2002): Wasserralle (Rallus aquaticus), Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana) und Kleines Sumpfhuhn (Porzana parva) im sächsischen Vogtland. Mitt. Ver. Sächs. Ornithol. 9: 77-86.

Flade, M. (1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands. IHW-Verlag, Eching.

Gedeon, K.; Grüneberg, C.; Mitschke, A.; Sudfeldt, C.; Eikhorst, W.; Fischer, S.; Flade, M.; Frick, S.; Geiersberger, I.; Koop, B.; Kramer, M.; Krüger, T.; Roth, N.; Ryslavy, T.; Stübing, S; Sudmann, S. R.; Steffens, R.; Vökler, F. & Witt, K. (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten. Atlas of German Breeding Birds. Stiftung Vogelmonitoring Deutschland und Dachverband Deutscher Avifaunisten (Hrsg.), Münster.

Glutz von Blotzheim, U. N., Bauer, K. M. & Bezzel, E. (1973): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Band 5 Galliformes und Gruiformes. Frankfurt am Main.

Hagemeijer, W. J. M. & Blair, M. J. (eds.) (1997): The EBCC Atlas of European Breeding Birds: Their distribution and abundance. London.

Heinze, O. (1996): Brutnachweise des Kleinen Sumpfhuhns (Porzana parva) und des Tüpfelsumpfhuhns (Porzana porzana) 1995 bei Neschwitz. Mitt. Ver. Sächs. Ornithol. 8: 55-56.

Mädlow, W. & Model, N. (2000): Vorkommen und Bestand seltener Brutvogelarten in Deutschland 1995/96. Vogelwelt 121: 189-205.

Steffens, R.; Nachtigall, W.; Rau, S.; Trapp, H. & Ulbricht, J. (2013): Brutvögel in Sachsen. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden. (als PDF-Dateien unter Brutvögel in Sachsen, Seiten 1-247 sowie S. 248-436 bzw. S. 437-656)

Steffens, R.; Saemann, D. & Grössler, K. (Hrsg.) (1998): Die Vogelwelt Sachsens. Gustav Fischer Verlag, Jena.

Südbeck, P.; Andretzke, H.; Fischer, S.; Gedeon, K.; Schikore, T.; Schröder, K. & Sudfeldt, C. (Hrsg.) (2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Radolfzell.

Südbeck, P.; Bauer, H.-G.; Boschert, M.; Boye, P. & Knief, W. (2007): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands, 4. Fassung, 30. November 2007. Ber. Vogelschutz 44: 23-81.

Bearbeitungsstand und Bearbeiter des Artensteckbriefes

Offizieller Artensteckbrief des LfULG; Stand: 01.09.2016; Bearbeiter: Jörg Huth, Hans-Markus Oelerich (Halle); Dr. Matthias Weber (Heidenau); Hinweise und Änderungsvorschläge bitte an: Heiner.Blischke@smul.sachsen.de

Legende zum Artensteckbrief unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22872.htm; Informationen zur Artengruppe für Sachsen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/23211.htm