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Rhus toxicodendron L. / Strauch- Sumach (Sachsen)

Synonyme


Toxicodendron quercifolium (Michx.) Greene

Allgemeine Arteninformationen


Kennzeichen

Sommergrüner Halbstrauch. Äste relativ dünn und biegsam. Wechselständige Laubblätter 5-12 cm lang, Blattstiel 8 bis 14 cm lang. Blattspreite dreiteilig gefiedert, unterseits flaumig behaart, ganzrandig oder buchtig gesägt. Laubblätter im Frühjahr eher purpurfarben, im Sommer grün glänzend und im Herbst leuchtend rot. Lockerer, rispiger Blütenstand, seitenständig. Blüten zweihäusig, fünfzählig, weiß bis grün mit roter Mitte. Erbsengroße kugelige, gelbe Steinfrucht 4 bis 8 mm groß. Alle Teile der Pflanze führen gelblich weißen Milchsaft, der sich an der Luft rasch schwarz färbt, mit penetrantem, Übelkeit erregendem Geruch. Diese Schwarzfärbung lässt eine eindeutige Identifizierung der Pflanze zu. Die Art ist unverwechselbar.

Lebensweise

Wuchsverhalten: variabel in der Wuchsform: typischerweise am Boden kriechender, aber auch aufrecht wachsender, nicht kletternder Strauch oder kletternde Form Toxicodendron pubescens var. radicans
Vegetative Ausbreitung: kann sich aus Wurzelausläufern regenerieren
Generative Ausbreitung: durch Samen möglich
Verbreitungswege: nicht bekannt

Überregionale Verbreitung

Herkunftsgebiet: Nordamerika
Aktuelle Verbreitung in Europa: z.B. Österreich, Ungarn, Italien, Frankreich (www.europe-aliens.org)
Aktuelle Verbreitung in Deutschland: selten aus Botanischen Gärten verwildert; verwilderte Vorkommen sind nur aus dem Berliner Raum, Thüringen und Sachsen bekannt (www.deutschlandflora.de)

Vorkommen


Status Etablierung

Neobiota, etabliert

Bemerkungen Neobiota

(R) Neobiota etabliert, sehr selten, meist nur ein Fundort

Nachweisabsicherung

Nein

Bestand

Aktuelle Verbreitung in Sachsen: Vereinzelte Vorkommen aus der Lausitz bekannt (am Elsterufer zwischen Hoyerswerda und Wittichenau, Görlitz: Gipfel der Landeskrone, Muskauer Park, Weissenberg), die jedoch in den letzten Jahren bewusst vernichtet wurden. Vorkommen um Görlitz sicher erloschen (Gebauer mdl. Mittl.) Jahrelanges Vorkommen im Oberholz bei Leipzig wurde nach Vorstellung der Pflanze bei der Jahrestagung der sächsischen Botaniker 2013 von der zuständigen Forstbehörde entfernt.

Verbreitung und Einbürgerung

Einbürgerungszeit: Nicht bekannt
Einbürgerungsgrad in Sachsen: Zumindest Vorkommen am Elsterufer zwischen Hoyerswerda und Wittichenau seit langer Zeit eingebürgert (OTTO 2012)
Einbürgerungsweise: Flüchtling aus Botanischen Gärten, seltener als Zierstrauch angebaut und verwildert

Vorkommenskarte

Vorkommenskarte

Phänologie


Phänogramm

Phänogramm

Lebensraum


Lebensraum im Herkunftsgebiet: Bevorzugt sonnige, trockene, steinige oder felsige Hänge, mit kalkhaltigen, durchlässigen Böden. In China in Höhen bis 2000 m ü. M.
Lebensraum in Sachsen: Mesophile Wälder

Ökologische Charakterisierung

  • Wald und waldähnliche Gehölze

Höhenstufen

  • collin
  • hochmontan
  • montan
  • planar
  • subalpin

Management


Beurteilung

Naturschutzfachliche Beurteilung: Für Deutschland bestehen keine ausreichenden Kenntnisse über die invasiven Eigenschaften der Art.

Wirtschaftliche Beurteilung: Beliebtes Mittel in der Homöopathie gegen rheumatisch-neuralgische Beschwerden und juckende Hauterkrankungen.

Negative gesundheitliche Auswirkungen: Alle Pflanzenteile sind sehr giftig und enthalten Urushiole, Gerbstoffe und Flavonderivate. Urushiol kommt in allen Pflanzenteilen vor und zählt zu den stärksten natürlich vorkommenden Kontaktallergenen mit stark hautreizenden Wirkstoffen. Schon sehr kleine Mengen im Mikrogramm-Bereich reichen für starke Reizwirkungen. Leichte Berührung der Blätter der Pflanze, aber auch von Gegenständen oder Tieren, die mit der Pflanze in Kontakt gekommen sind, können starke Hautirritationen hervorrufen. Oral aufgenommene Pflanzenteile führen zu Symptomen wie Erbrechen, Entzündung des Magen-Darm-Traktes, Koliken, Blutharnen und heftigen neurologischen Symptomen, die an eine Atropinvergiftung erinnern. Auch für Tiere giftig. Selbst Ausdünstungen der Pflanze können zu einer ausschlagartigen Rötung am ganzen Körper führen. Bei einer stärkeren allergischen Sensibilisierung können extreme, blasenartige Hautverbrennungen auftreten. In abgestorbenen Pflanzen ist Urushiol mit einer Dauer von bis zu 5 Jahren schädlich.

Fazit für Sachsen: Invasionsrisiko gering. Aufgrund der starken gesundheitlichen Auswirkungen geht jedoch von (Neu-)Vorkommen ein hohes Gefährdungspotenzial aus.

Management

Präventive Maßnahmen: Keine absichtliche Ausbringung

Bekämpfungsstrategien: Für Deutschland liegen keine dokumentierten Bekämpfungsmaßnahmen vor. In USA wird bisher erfolglos versucht, den Giftsumach im Bereich von Ansiedlungen zu beseitigen. Eine Bekämpfung ist sehr gefährlich und nur mit bestimmten Schutzanzügen möglich. Thermische Bekämpfung durch Abbrennen bzw. Abflammen ist nicht möglich, weil Urushiol in den entstehenden Stäuben hoch toxisch wirkt. Eine chemische Bekämpfung ist mit den Wirkstoffen Glyphosate, Triclopyr oder 2,4-D möglich. Die beiden erstgenannten Herbizide besitzen die beste Effizienz, sie sind allerdings in den Standorten des Giftsumach für den weiteren vorhandenen Pflanzenbewuchs ebenfalls nicht verträglich. Da eine Einzelpflanzenbehandlung aus technischen Gründen i.d.R. nicht möglich ist, würde beim Einsatz von Herbiziden der gesamte Bewuchs der befallenen Fläche geschädigt werden. Eine Beseitigung des Giftsumach ist daher nur durch Spezialkräfte mit auf die Standortsituation angepassten Maßnahmen und entsprechend hohem Aufwand möglich.

Handlungsbedarf: Der Handlungsbedarf für eine unverzügliche Tilgung bei wildlebenden Nachweisen der Art und Beobachtung des Etablierungsprozesses ist hoch. Daher ist die sofortige Meldung von Vorkommen an die Untere Naturschutzbehörde des zuständigen Landkreises oder der zuständigen kreisfreien Stadt (UNB) notwendig.

Für das Management von Neobiota in Sachsen beachten Sie auch die offiziellen Seiten des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL): http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/34835.htm ; insbesondere auch die Arbeitshilfen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/34838.htm

Zentrales Medium für die Sammlung von Artdaten in der Naturschutzverwaltung des Freistaates Sachsen ist die Zentrale Artdatenbank beim LfULG: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/8048.htm;
Aktuelle Übersichtskarten der Verbreitung von Arten in Sachsen können unter folgendem Link abgerufen werden: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/ida

Meldungen an die Regionalverantwortlichen der Arbeitsgemeinschaft sächsischer Botaniker (AGsB) werden jährlich in die Zentrale Artdatenbank übernommen.

Handlungsbedarf Neobiotamanagement

Handlungsbedarf Neobiotamanagement

Handlungsbedarf für unverzügliche Tilgung bei wildlebenden Nachweisen der Art und Beobachtung des Etablierungsprozesses

Sonstiges


Literatur

Sachsen:
Gutte, P., Hardtke, H.-J., & Schmidt, P. (2013): Die Flora Sachsens und angrenzender Gebiete. Ein pflanzenkundlicher Exkursionsführer. Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim, 983 S.
Hardtke, H.-J., Ihl, A. (2000): Atlas der Farn- und Samenpflanzen Sachsens. In: Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.): Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege. Dresden. 806 S.
Otto, H.-W. (2012): Die Farn- und Samenpflanzen der Oberlausitz. Verzeichnis der in der sächsischen und brandenburgischen Oberlausitz wildwachsenden Gefäßpflanzen sowie der forst- und landwirtschaftlichen Nutzpflanzen und der verwilderten Zierpflanzen. Berichte der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz, Supplement zu Band 20, Görlitz.

Weiterführende Literatur:
Hiller, K., Melzig, M. F. (2010): Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. Spektrum Verlag. 2. Auflage, Heidelberg, 659 S.
Kowarik, I. (2010): Biologische Invasionen: Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. 2. Aufl., Ulmer, Stuttgart, 492 S.

Links:
http://www.neobiota.de , abgerufen am 28.08.2015
http://www.korina.info , abgerufen am 13.02.2015
http://www.lfl.bayern.de/ips/unkraut/032890/ , abgerufen am 13.02.2015
http://www.henriettes-herb.com/eclectic/madaus/toxicodendron.html , abgerufen am 13.02.2015
http://www.linkfang.de/wiki/Toxicodendron_quercifolium , abgerufen am 13.02.2015
http://www.rhus-toxicodendron.com/ , abgerufen am 13.02.2015
http://dendro.cnre.vt.edu/dendrology/syllabus/factsheet.cfm?ID=261 , abgerufen am 13.02.2015

Bearbeitungsstand und Bearbeiter des Artensteckbriefes

Offizieller Artensteckbrief des LfULG; Stand: 05.07.2015; Bearbeiter: Dr. Uta Kleinknecht, Uta Glinka (IVL);
Hinweise und Änderungsvorschläge bitte an: dietmar.schulz@smul.sachsen.de
Legende zum Artensteckbrief unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22872.htm
Informationen zur Artengruppe für Sachsen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/23411.htm
Informationen zu Neobiota: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/34835.htm