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Solidago canadensis L. / Kanadische Goldrute (Sachsen)

Synonyme


Solidago anthropgogena H.W. Scholz, Solidago glabra subsp. canadensis (L.) Bonnier in Bonnier & R. C. V. Douin

Rechtlicher Schutz und Rote Liste


Rote Liste Sachsen:(*)

Allgemeine Arteninformationen


Kennzeichen

Klonale, kräftige Staude mit ausdauerndem unterirdischem Rhizom. Wuchshöhe in der Regel 50 – 150 cm. Stängel dicht beblättert und zumindest in der oberen Hälfte dicht kurzhaarig, nur im Bereich des Blütenstands verzweigt. Blätter 8-10 cm lang und 1-1,5 cm breit. Goldgelbe Blüten in kleinen Köpfchen, Blütenstand eine pyramidenförmige Rispe mit gekrümmten Ästen. Verwechslungsmöglichkeit mit S. gigantea.

Lebensweise

Wuchsverhalten: Die Goldrute zeichnet sich durch eine erfolgreiche und schnelle Besiedlung bei der Sukzession von Brachflächen aus. Diese gelingt ihr insbesondere durch Schnelligkeit, Dominanz und Persistenz bei der Standortsbesetzung.
Vegetative Ausbreitung: Klonales Wachstum der Rhizome durch das Anlegen von zahlreichen (im Schnitt 36!) Knospen, diese bilden neue Luftsprosse; Rhizomwachstum wird durch gute Wasserversorgung und hohes Stickstoffangebot gefördert.
Generative Ausbreitung: Die Keimung beginnt bei 10°C, als optimal gelten 25 – 30°C, besonders licht- und wärmebedürftig; erzeugt zahlreiche, gut flugfähige Samen (ca. 15.000 pro Spross), Überlebensrate der Samen bis zum Folgejahr jedoch sehr gering (ca. 3%)
Verbreitungswege: im Umkreis von bis zu 50 m verbreitet sich eine beträchtliche Menge an Samen; effektive Fernausbreitung mit generativen Diasporen über Wind; Ausbreitung von Früchten und Rhizomteilen auch über das Wasser möglich

Überregionale Verbreitung

Herkunftsgebiet: Nordamerika
Aktuelle Verbreitung in Europa: eingebürgert und verbreitet über weite Teile West-, Mittel- und Osteuropas vom Tiefland bis in mittlere Gebirgslagen
Aktuelle Verbreitung in Deutschland: in ganz Deutschland häufig

Vorkommen


Status Etablierung

Neobiota, etabliert

Bemerkungen Neobiota

(*) Neobiota etabliert, stabil oder in Ausbreitung befindlich

Nachweisabsicherung

Nein

Langfristiger Bestandstrend

deutliche Zunahme

Kurzfristiger Bestandstrend

deutliche Zunahme

Bestand

Aktuelle Verbreitung in Sachsen: Die Kanadische Goldrute ist in Sachsen sehr häufig und kommt flächendeckend vor.

Verbreitung und Einbürgerung

Einbürgerungszeit: Die Kanadische Goldrute gehört zu den ältesten, aus Nordamerika eingeführten Gartenpflanzen. Sie ist seit 1645 aus England bekannt und hat sich bereits im 19. Jahrhundert weit ausgebreitet. In Sachsen erstmals 1842, in Leipzig seit 1908 verzeichnet.
Einbürgerungsgrad in Sachsen: Vollständig
Einbürgerungsweise: eingeführt als Gartenpflanze und Bienenweide

Vorkommenskarte

Vorkommenskarte

Phänologie


Phänogramm

Phänogramm

Lebensraum


Lebensraum im Herkunftsgebiet: In Prärien und lichten Wäldern, auch anthropogenen Standorten wie Straßenränder und Ruderalstellen in Siedlungen; spielt eine wichtige Rolle bei Sukzession landwirtschaftlicher Brachflächen
Lebensraum in Sachsen: Licht- und wärmebedürftig, bezüglich der Bodeneigenschaften jedoch weite standörtliche Amplitude: wächst unter trockenen bis feuchten und nährstoffarmen bis nährstoffreichen Bedingungen: Wegränder, Bahnanlagen, Müllplätze, städtische und Industriebrachen, in brachgefallene Gärten, Äcker, Wiesen und Magerrasen, in Flussauen (Hochstaudenfluren) sowie Lichtungsfluren in Auwäldern.

Ökologische Charakterisierung

  • Offene Landschaft
  • Siedlungsgebiete, Städte
  • Ufer

Höhenstufen

  • collin
  • hochmontan
  • montan
  • planar

Management


Beurteilung

Naturschutzfachliche Beurteilung:
• bildet durch unterirdische Ausläufer schnell Dominanzbestände, die lange persistieren; die Verdrängung heimischer Arten erfolgt überwiegend auf Ruderalstandorten und in aufgegebenem Kulturland, aber auch Verdrängung gefährdeter Arten in Magerrasen und Streuwiesen
• auf Brachflächen können Dominanzbestände von Goldruten die Sukzession langfristig aufhalten, da Gehölze nicht unter den Pflanzen keimen
• Gefährdungspotenzial durch die Hybridisierung mit der heimischen, lokal gefährdeten Gewöhnlichen Goldrute (Solidago virgaurea)
• Die Blüten bieten im sonst blütenarmen Spätsommer zahlreichen Wildbienen, Tagfaltern und Schwebfliegen Nahrung. Wo sich Goldruten auf Brachflächen anstelle von Gräsern und Bäumen ansiedeln, ist für die Tierwelt mit einem insgesamt positiven Effekt zu rechnen. In Magerrasen wiegt dagegen der negative Effekt der Verdrängung von Nahrungspflanzen auch spezialisierter Tierarten schwerer.
• profitiert als wärmeliebende Art vom Klimawandel

Betroffene Schutzgüter:
• Magerrasen
• Streuwiesen
• trocken-warme Säume
• Hochstaudenfluren

Wirtschaftliche Beurteilung:
• Die Bestände der Kanadischen Goldrute führen in der Regel nicht zu direkten wirtschaftlichen Einbußen, da sie sich zumeist in Folge von Nutzungsaufgabe entwickeln. Die Erhaltung von Magerrasen und Streuwiesen in ihrer Artenkombination macht jedoch nach einem Eindringen von Goldruten Bekämpfungsmaßnahmen notwendig, die teurer sind als die traditionelle Bewirtschaftung.
• die Art findet Anwendung als Heilpflanze bei Harnwegsentzündungen und ist Bestandteil zahlreicher entsprechender Phytopharmaka
• als Bienenweide (Nektar- und Pollenspender) besonders im Monat August von Imkern geschätzt
• pharmazeutisch als Solidaginis herba verwendet.

Negative gesundheitliche Auswirkungen: Es gibt Angaben über die Rolle der Goldruten als Auslöser von Pollenallergien. In Amerika gilt es als wahrscheinlich, dass sie zu Unrecht verdächtigt werden und die entsprechenden Symptome von den gleichzeitig blühenden Verwandten aus der Gattung Ambrosia ausgelöst werden. Dafür spricht auch, dass die Ambrosia-Arten im Gegensatz zu den insektenbestäubten Solidago-Arten windbestäubt sind.

Wissensdefizite in Sachsen: keine

Fazit für Sachsen: Die Goldrute siedelt sich vorwiegend in der Folge von Nutzungsaufgabe an. Trotz der weiten Verbreitung der Art sind die Konflikte in naturschutzfachlich wertvollen Flächen oder öffentlichen Grünanlagen eher gering. Eine Zurückdrängung ist mancherorts notwendig beim Vordringen der Art in Streuwiesen, Magerrasen und gewässerbegleitende Hochstaudenfluren.

Management

Präventive Maßnahmen:
• Fortsetzung der traditionellen Landnutzung oder adäquater Maßnahmen
• Verzicht von Neuansiedlungen im Einzugsbereich geeigneter und zugleich schutzwürdiger Etablierungsstandorte (z. B. Magerrasen, Streuwiesen)
• Da brach gefallene Äcker einen potentielles Habitat zur Etablierung neuer Bestände von S. canadensis darstellen, sollte besonders in Gebieten mit zahlreichen Dominanzbeständen eine Einsaat mit regional und standörtlich typischen Mischungen auf derartigen Standorten erfolgen.
• Verzicht auf Anpflanzungen in Gärten.

Bekämpfungsstrategien: Wegen der hohen vegetativen Regenerationsfähigkeit sind Maßnahmen zur Bekämpfung der Kanadischen Goldrute nur sinnvoll, wenn sie intensiv betrieben werden und ihre Durchführung über mehrere Jahre gesichert ist. Dabei sind zwei Ziele zu erreichen: Einerseits sollte die Samenbildung unterdrückt werden, um die Ausbreitung und weitere Keimung in der Fläche zu verhindern. Andererseits sollte der Bestand zurückgedrängt werden, indem das Rhizom geschwächt bzw. zerstört wird.
Die Wahl der Methode richtet sich nach dem Standort und der Dichte der Goldruten:
- Auf feuchten nährstoffreichen Böden ist nach einmaligem Mähen oder Mulchen Ende Mai/Anfang Juni nur noch nach Bedarf im nächsten Jahr nachzuarbeiten.
- Auf feuchten Standorten mit mittlerem Nährstoffgehalt (Feuchtwiesenstandorten) wird eine zweimalige Mahd im Mai und August (vor der Blüte) über mehrere Jahre hinweg empfohlen. Im Mai kann das Mähgut liegen bleiben, da es sich noch gut zersetzt. Wenn nach mehreren Jahren die Goldrute zurückgedrängt ist, kann auf einen Spätschnitt reduziert werden.
- Auf trockenen Standorten wie potenziellen Mager- und Halbtrockenrasen ist das gleiche Mahdregime anwendbar. Hier ist auch Bodenbearbeitung im Sommer bei trockener heißer Witterung möglich, so dass die Rhizome abtrocknen. Danach ist eine Gräser- und Kräutermischung einzusäen.
- Kleinere Vorkommen können durch wiederholtes Ausreißen der Stängel bei feuchter Witterung kurz vor der Blüte entfernt werden. Die Stängel reißen dann nicht ab, so dass ein Teil des Rhizoms mit entfernt wird.
Ein kombiniertes Verfahren aus Beweidung und Mahd zeiget ebenso gute Erfolge: Schafe fressen besonders gern die jungen Pflanzen, wohingegen von älteren Pflanzen nur die Blätter abgefressen wurden. Zusammen mit  einer Mahd konnte so über einen Zeitraum von drei Jahren eine Abnahme der Goldrutenbestände von 70-80 % erreicht werden (Hartmann et al 1995).  

Nicht zu empfehlende Maßnahmen:
• Eine Herbizidanwendung zur Beseitigung der Goldrute ist nicht erforderlich und daher zu vermeiden.
• Ein Abdecken gemähter Bestände mit UV-undurchlässiger Folie zerstört die Begleitvegetation und schafft Offenbodenstandorte, an denen sich die Goldrute erneut etablieren kann. Falls diese Maßnahme zur Anwendung kommt, sollte unmittelbar eine Einsaat erfolgen.

Handlungsbedarf: Der Handlungsbedarf für ein Management ist überwiegend gering oder nicht vorhanden. Zum einen steht der Aufwand zumeist in keinem Verhältnis zum Nutzen, zum anderen ist das Gefährdungspotential für andere Arten gering. Eine großflächige Zurückdrängung der Goldruten ist weder gerechtfertigt noch realistisch erreichbar. Um den Naturschutzwert von Kulturlandschaftsstandorten zu erhalten oder wiederherzustellen, sind jedoch punktuelle Gegen- sowie Vorbeugungsmaßnahmen, insbesondere in Schutzgebieten, sinnvoll. Da Goldruten vor allem den Nutzungswandel begleiten und dessen Effekte verschärfen, ist die beste Strategie die Fortsetzung traditioneller Landnutzung.

Für das Management von Neobiota in Sachsen beachten Sie auch die offiziellen Seiten des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL): http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/34835.htm ; insbesondere auch die Arbeitshilfen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/34838.htm
Zentrales Medium für die Sammlung von Artdaten in der Naturschutzverwaltung des Freistaates Sachsen ist die Zentrale Artdatenbank beim LfULG: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/8048.htm ;
Aktuelle Übersichtskarten der Verbreitung von Arten in Sachsen können unter folgendem Link abgerufen werden: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/cadenzaweb2014/commands.xhtml?Login.Anonymous</p
Meldungen an die Regionalverantwortlichen der Arbeitsgemeinschaft sächsischer Botaniker (AGsB) werden jährlich in die Zentrale Artdatenbank übernommen.

Handlungsbedarf Neobiotamanagement

Handlungsbedarf Neobiotamanagement

Handlungsbedarf für ein Management überwiegend gering oder nicht vorhanden

Sonstiges


Literatur

Sachsen:
Gutte, P. (2006): Flora der Stadt Leipzig einschließlich Markkleeberg. Weissdorn-Verlag, Jena, 278 S.
Gutte, P., Hardtke, H.-J., & Schmidt, P. (2013): Die Flora Sachsens und angrenzender Gebiete. Ein pflanzenkundlicher Exkursionsführer. Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim, 983 S.
Hardtke, H.-J., Klenke, F. & Müller, F. ( 2013): Flora des Elbhügellandes und angrenzender Gebiete. Sandstein Verlag, Dresden, 718 S.
Otto, H. W. (2003): Der Bautzener Güterbahnhof als bemerkenswerter Pflanzenstandort. Sächsische Floristische Mitteilungen 8, 45-66.
Kosmale, S. (1990): Die Ruderalflora der Stadtkernrekonstruktionsgebiete von Zwickau und Crimmitschau. Sächsische Floristische Mitteilungen. S. 56-66.

Weiterführende Literatur:
Hiller, K. & Melzig, M.F. (2010): Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen. 2. Auflage, Spektrum. Akademischer Verlag. Heidelberg. 658 S. Kowarik, I. (2010): Biologische Invasionen: Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. 2. Aufl., Ulmer, Stuttgart, 492 S.
Nehring, S., Kowarik, I., Rabitsch, W. & Essl, F. (2013): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen. BfN-Skripten 352. http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/service/skript352.pdf
Schmidt, W., Dölle, M., Bernhardt-Römermann, M. & Parth, A. (2009): Neophyten in der Ackerbrachen-Sukzession – Ergebnisse eines Dauerflächen-Versuchs, Floristisch Soziologische Arbeitsgemeinschaft Bd. 29, S. 236 – 260.
Schmiedel, D., Wilhelm, E.-G., Nehring, S., Scheibner, C., Roth, M. & S. Winter (2015): Management-Handbuch zum Umgang mit gebietsfremden Arten in Deutschland. Band 1: Pilze, Niedere Pflanzen und Gefäßpflanzen. Naturschutz und Biologische Vielfalt 141/1. Bonn- Bad Godesberg, Landwirtschaftsverlag.
Voser-Huber, M. L. (1983): Studien an eingebürgerten Arten der Gattung Solidago L. Diss. Bot. 68, Vaduz.
Weber E. (2013): Invasive Pflanzen in der Schweiz. Erkennen und bekämpfen. 1. Auflage, Haupt Verlag, Bern, 224 S.
Zentralverband Gartenbau (2008): Umgang mit invasiven Arten. Empfehlungen für Gärtner, Planer und Verwender. Zentralverband Gartenbau, 37 S.

Links:
http://www.neobiota.de/12623.html , abgerufen am 10.02.2015
http://www.neobiota.de/fileadmin/NEOBIOTA/documents/PDF/BfN-Faltblatt_invasive-gartenpflanzen.pdf  
www.g-net.de/download/Empfehlung-Invasive-Arten.pdf  
www.oeko-forum.ch/downloads/neophyten%20im%20garten.pdf  
http://www.floraweb.de/pflanzenarten/artenhome.xsql?suchnr=5679& , abgerufen am 10.02.2015
http://www.neophytenmanagement.de/index.php/de/neo-portraets , abgerufen am 10.02.2015
http://blog.imkereiobstwiese.de/bienen-imkerei/bienenweide/bienenweide-des-monats-august-goldrute-solidago , abgerufen am 10.02.2015
http://www.tuexenia.de/index.php?id=14&no_cache=1&user_tuexenia_pi1%5BshowUid%5D=3242&cHash=0fc544601e , abgerufen am 13.02.2015 http://www.korina.info/?q=node/71 , abgerufen am 13.02.2015

Bearbeitungsstand und Bearbeiter des Artensteckbriefes

Offizieller Artensteckbrief des LfULG; Stand: 05.07.2015; Bearbeiter: Dr. Uta Kleinknecht, Uta Glinka (IVL);
Hinweise und Änderungsvorschläge bitte an: dietmar.schulz@smul.sachsen.de
Legende zum Artensteckbrief unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22872.htm
Informationen zur Artengruppe für Sachsen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/23411.htm
Informationen zu Neobiota: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/34835.htm