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Telekia speciosa (Schreb.) Baumg. / Prächtige Telekie (Sachsen)

Synonyme


Buphthalmum speciosum Schreb., Große Telekie, Großes Rindsauge, Telekle

Rechtlicher Schutz und Rote Liste


Rote Liste Sachsen:(*)

Allgemeine Arteninformationen


Kennzeichen

Ausdauernde, krautige Pflanze mit Wuchshöhen zwischen 100-150 (200) cm. Braunrote Sprosse, oben traubig verzweigt. Große Blätter, insbesondere die Grundblätter bis zu 40 cm lang und 30 cm breit mit stark herzförmig eingeschnittenem Blattgrund und lang gestielt. Blätter oberseits kahl und rau, unterseits auf den Adern fein flaumig behaart. Ausgewachsene Blätter einer Pflanze bedecken oft mehr als 0,75 m². Blüten aus Röhren und auffälligen Zungenblüten, Durchmesser 5-6 cm, Köpfe meist zu mehreren, in Schirmtrauben, goldgelb. Verwechslungsmöglichkeit mit Inula helenium (Blätter unterseits filzig, ungleich gezähnt).

Lebensweise

Wuchsverhalten: Keimt nur auf offenen, unbewachsenen Flächen. Kriechende, walzenförmige und knotige Wurzelstöcke. Entwicklung der Jungpflanzen in den ersten Jahren relativ langsam, nach etwa 3 bis 5 Jahren Verzweigung des Rhizoms, Blätter erreichen ihre charakteristischer Größe und Ausbildung erster Blütensprosse. Ausgewachsene blühende Pflanzen sind daher Polykormone aus mehreren blühenden und nichtblühenden Sprossen, die unterirdisch miteinander verbunden sind. Später Ausbildung von „Hexenringen“ aus miteinander verflochtenen, aber nicht mehr zusammenhängenden Rhizomen. Sehr konkurrenzstark.
Vegetative Ausbreitung: Im Alter von 3 - 5 Jahren sehr effektiv über relativ kurze Wurzelausläufer: an jungen Trieben Ausbildung einer fast dem Boden aufliegenden Blattrosette.
Generative Ausbreitung: Vermehrung durch Samen möglich
Verbreitungswege: Fernausbreitung von Wurzelbruchstücken mit Erdreich, Mahdgut oder Gartenabfällen. Eine Verbreitung über Samen findet offensichtlich nur über relativ kurze Distanzen, max. 10-15 m, statt (LFU 2010). Vermutlich auch als Wildfutterpflanze ausgesät. Im Pflanzenmarkt erhältlich.

Überregionale Verbreitung

Herkunftsgebiet: Südost-Alpen, West-Karpaten, Kaukasus
Aktuelle Verbreitung in Europa: In einigen Ländern Europas vorkommend z.B. Bulgarien, Tschechien, Ungarn, Russland, Polen, Rumänien, Ukraine, Österreich, Belgien, Britische Inseln, Frankreich, Griechenland (Brandes 2010) www.europe-aliens.org
Aktuelle Verbreitung in Deutschland: verstreute Vorkommen mit deutlichem Schwerpunkt im südlichen Sachsen. http://www.deutschlandflora.de . In Sachsen-Anhalt ist Telekia speciosa für nitrophile Säume in alten Parkanlagen charakteristisch (Brandes & Griese 1991). Im Altenburger Land in mehreren Parks verwildert beobachtet (Strumpf 2006).

Vorkommen


Status Etablierung

Neobiota, etabliert

Bemerkungen Neobiota

(*) Neobiota etabliert, stabil oder in Ausbreitung befindlich

Nachweisabsicherung

Nein

Langfristiger Bestandstrend

deutliche Zunahme

Kurzfristiger Bestandstrend

deutliche Zunahme

Bestand

Aktuelle Verbreitung in Sachsen: Vorkommen zerstreut im Erzgebirge, Oberlausitzer Bergland und Vogtland, ansonsten meist selten und unbeständig (Gutte et al. 2013). Im Raum Leipzig selten verwildert, Fundorte z.B. vorübergehend im Abtnaundorfer Park (Gutte 2006). Einige Nachweise in der Oberlausitz (Otto 2012). Gegenwärtig Ausbreitung in Südsachsen, besonders im Osterzgebirge und im mittleren Erzgebirge um Lengefeld. Diese besonders starke Ausbreitung einer südosteuropäischen Gebirgspflanze im Erzgebirge deutet evtl. auf eine Klimaänderung hin (Hardtke & Ihl 2000).

Verbreitung und Einbürgerung

Einbürgerungszeit: 1588 in Nürnberg kultiviert (Krausch 2003). Bereits 1576 in Wien (Österreich) kultiviert und von dort sowie auch von Italien aus nach Mittel- und Westeuropa gebracht (Krausch 2003).
Einbürgerungsgrad in Sachsen: Vollständig
Einbürgerungsweise: In historische Landschaftsgärten eingebracht, von dort aus verwildert und lokal eingebürgert

Phänologie


Phänogramm

Phänogramm

Lebensraum


Lebensraum im Herkunftsgebiet: Montane und subalpine Hochstaudenfluren
Lebensraum in Sachsen: Zeigt im gesamten Areal eine deutliche Bindung an Hochstaudenfluren, die zumeist in direktem räumlichen Kontakt zu Wäldern stehen (Wald- und Wegränder). Ebenso wächst die Art auch in Waldverlichtungen sowie auf Kahlschlägen, Uferstaudenfluren und Parks. Vornehmlich in historischen Gärten als „Zeiger alter Gartenkultur“.

Ökologische Charakterisierung

  • Offene Landschaft mit Hecken, Feldgehölzen, Waldsäumen, Alleen
  • Ufer

Höhenstufen

  • collin
  • hochmontan
  • montan
  • planar
  • subalpin

Management


Beurteilung

Naturschutzfachliche Beurteilung:
• Scheint konkurrenzfähiger zu sein als das heimische, ungefährdete Land-Reitgras (Calamagrostis epigejos) sowie als die amerikanischen, invasiven Goldrutenarten (Solidago canadensis, S. gigantea) und das asiatische, potenziell invasive Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) (LfU 2010, Lauterbach & Nehring 2013a,b, Lauterbach et al. 2013).
• Im Osterzgebirge lokal deutliche Verdrängung einheimischer Hochstauden mit Thalictrum aquilegifolium, Astrantia major, Chaerophyllum hirsutum, Valeriana officinalis agg. Problematische Bestände in Sachsen z. B. im Mordgrund bei Oelsen auf mehreren 100 m² große und dichte Bestände am Bachufer und an Wald- und Straßenrändern (Gutte mdl. Mittl.).
• durch mangelnde Fernausbreitung noch weitgehend an Landschaftsgärten gebunden (Kowarik 2010)
• bildet lokal dichte Bestände, besonders in nitrophilen, eher feuchten Wäldern
• Da jede Mutterpflanze mehrere Wurzelausläufer bildet, ist die Pflanze in der Lage, relativ rasch auf größeren Flächen Dominanzbestände zu entwickeln, in denen andere Arten wegen des Licht- und Raummangels nicht mehr gedeihen können.
• Es ist noch nicht geklärt, ob die Art nur am Arealrand zur Bildung großer Polykormone bzw. zum Aufbau von Dominanzbeständen neigt (Brandes 2010).

Betroffene Schutzgüter: Hochstaudenfluren

Wirtschaftliche Beurteilung: Als Zier- und Schnittpflanze genutzt

Negative gesundheitliche Auswirkungen: Die Pflanze besitzt in allen Teilen stark hautreizende Wirkstoffe mit hoch allergenem Potenzial. Allergiker sollten deshalb Hautkontakt und Einatmung (z.B. Staub getrockneter Pflanzen) dringend vermeiden (Roth et al. 1994). Bei Bekämpfungsmaßnahmen sollte stets Schutzkleidung getragen werden

Fazit für Sachsen: Aus Sicht des Naturschutzes ist die Art durch das Eindringen in Hochstaudenfluren problematisch, gesundheitlich wegen der allergenen Wirkung. Aufgrund des Verbreitungszentrums für Deutschland in Südsachsen ergibt sich eine besondere Verantwortung zur Kontrolle der Vorkommen.

Management

Präventive Maßnahmen:
• Öffentlichkeitsarbeit zur Kenntnis des allergischen Potenzials der Pflanze
• Verhinderung absichtlicher Ausbringung
• Handelsverzicht

Bekämpfungsstrategien: Über die Durchführung von Bekämpfungsmaßnahmen ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nichts bekannt (BUND 2013). Erfahrungen über Bekämpfungsmaßnahmen liegen bisher nicht vor (LfU 2010). Eine mechanische Bekämpfung ist nicht möglich, da de Telekie unempfindlich gegen Mahd und Mulchen ist. Eine denkbare Möglichkeit wäre, die Wurzeln vor dem Fruchten auszugraben und eine Nachkontrolle der Fläche durchzuführen.

Handlungsbedarf: Für Aussagen zum Managementbedarf sind genauere Informationen erforderlich, die sich auf eine Beobachtung des Etablierungsprozesses stützen.

Für das Management von Neobiota in Sachsen beachten Sie auch die offiziellen Seiten des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL): http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/34835.htm ; insbesondere auch die Arbeitshilfen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/34838.htm

Zentrales Medium für die Sammlung von Artdaten in der Naturschutzverwaltung des Freistaates Sachsen ist die Zentrale Artdatenbank beim LfULG: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/8048.htm;
Aktuelle Übersichtskarten der Verbreitung von Arten in Sachsen können unter folgendem Link abgerufen werden: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/ida

Meldungen an die Regionalverantwortlichen der Arbeitsgemeinschaft sächsischer Botaniker (AGsB) werden jährlich in die Zentrale Artdatenbank übernommen.

Handlungsbedarf Neobiotamanagement

Handlungsbedarf Neobiotamanagement

Für Aussagen zum Managementbedarf sind genauere Informationen erforderlich

Sonstiges


Literatur

Sachsen:
Gutte, P. (2001): Sachsens Neophyten – eine Übersicht. In: Brandes, D. (Hrsg.) Adventivpflanzen. Beiträge zu Biologie, Vorkommen und Ausbreitungsdynamik von Archäophyten und Neophyten in Mitteleuropa. Tagungsbericht des Braunschweiger Kolloquiums vom 3.-5. November 2000. Braunschweig, S. 151-160.
Gutte, P. (2006): Flora der Stadt Leipzig einschließlich Markkleeberg. Weissdorn-Verlag, Jena, 278 S.
Gutte, P., Hardtke, H.-J., & Schmidt, P. (2013): Die Flora Sachsens und angrenzender Gebiete. Ein pflanzenkundlicher Exkursionsführer. Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim, 983 S.
Hardtke, H.-J., Ihl, A. (2000): Atlas der Farn- und Samenpflanzen Sachsens. In: Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (Hrsg.): Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege. Dresden. 806 S.
Hardtke, H.-J, Klenke, F. & Müller, F. (2013): Flora des Elbhügellandes und angrenzender Gebiete. Sandstein-Verl. Dresden, 718 S.

Weiterführende Literatur:
Brandes, D. & D. Griese (1991): Siedlungs- und Ruderalvegetation von Niedersachsen: eine kritische Übersicht. – Braunschweig. Braunschweiger Geobotanische Arbeiten, 1,173 S.
Brandes D. (2010) Telekia speciosa (Schreb.) Baumg. am Nordhang der Karnischen Alpen unterhalb des Plöckenpasses (Kärnten, Österreich). Available online at: http://www.ruderal-vegetation.de/epub/telekia_speciosa.pdf
BUND Bayern (2013). Neophytenkartierung an Fließgewässern im Landkreis Miesbach 2013. http://www.miesbach.bund-naturschutz.de/fileadmin/kreisgruppen/miesbach/kreisgruppe/dateien/bericht_neo_mb_2013.pdf
Jäger E.J. (1976) Areal und Ausbreitungsgeschichte des Neophyten Telekia speciosa (Schreb.) Baumg. Mitt. Floristische Kartierung. Halle 2(2), S. 40-44.
Hardtke, H.-J. & A. Ihl (2000): Atlas der Farn- und Samenpflanzen Sachsens. Dresden. 806 S.
Hohla, M. (2011): So eine Pflanzerei! ÖKOL 33/2. S. 3-16.
Knapp, H.D. & Hacker, E. (1984): zur Einbürgerung von Telekia speciosa (Schreib.) Baumg. In Mecklenburg. Gleditschia 12, S. 85-106.
Kowarik, I. (2010): Biologische Invasionen: Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. 2. Aufl., Ulmer, Stuttgart, 492 S.
Lange U. (2014) Zwei bemerkenswerte Arten im Naturraum Hohe Rhön: Telekia speciosa und Inula helenium. Hess. Flor. Briefe, 62(1), 1-3.
LfU (2010): Newsletter Botanik in Bayern 2010_12_03: invasiver Neophyt Telekia speciosa. Bayerisches Landesamt für Umwelt, Augsburg.
Nehring, S., Kowarik, I., Rabitsch, W. & Essl, F. (2013): Naturschutzfachliche Invasivitätsbewertungen für in Deutschland wild lebende gebietsfremde Gefäßpflanzen. BfN-Skripten 352. http://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/service/skript352.pdf
Roth, L., Daunderer, M. & K. Kormann (1994): Giftpflanzen Pflanzengifte.- Nikol Verlagsgesellschaft Hamburg,1090 S.
Strumpf, Klaus (2006): Die Flora des Altenburger Landes und der Stadt Altenburg. S. Hell Heimat-Verl. Altenburg, 370 S.
Walter E. (1987) Die Große Telekie (Telekia speciosa) - gartenflüchtig und sich ausbreitend - in Oberfranken. Ber. Naturforsch. Ges. Bamberg 62, 11-26.
Zentralverband Gartenbau (2008): Umgang mit invasiven Arten. Empfehlungen für Gärtner, Planer und Verwender. Zentralverband Gartenbau: 37 S., http://www.g-net.de/download/Empfehlung-Invasive-Arten.pdf

Links:
http://www.neobiota.de , abgerufen am 29.06.2015
http://www.korina.info/?q=node/144 , abgerufen am 29.06.2015
http://alienplantsbelgium.be/content/telekia-speciosa , abgerufen am 29.06.2015
http://www.ruderal-vegetation.de/epub/telekia_speciosa.pdf

Bearbeitungsstand und Bearbeiter des Artensteckbriefes

Offizieller Artensteckbrief des LfULG; Stand: 05.07.2015; Erstbearbeitung: Prof. Dr. P. A. Schmidt, Dr. E.-G. Wilhelm
Überarbeitung: Dr. Uta Kleinknecht, Uta Glinka (IVL);
Hinweise und Änderungsvorschläge bitte an: dietmar.schulz@smul.sachsen.de
Legende zum Artensteckbrief unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22872.htm
Informationen zur Artengruppe für Sachsen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/23411.htm
Informationen zu Neobiota: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/34835.htm