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Merops apiaster Linnaeus, 1758 / Bienenfresser (Sachsen)

Rechtlicher Schutz und Rote Liste


Artenschutzrechtlicher Schutzstatus:SG (streng geschützt)
Rote Liste Deutschland:* (derzeit keine Gefährdung)
Rote Liste Sachsen:R (extrem selten)

Allgemeine Arteninformationen


Taxonomie

keine Unterarten

Kennzeichen

Der Bienenfresser ist etwas größer als eine Amsel, schlank und exotisch bunt gefärbt. Er hat einen schwarzen, abwärts gebogenen Schnabel. Die Kehle ist leuchtend gelb mit schwarzer Unterkante. Oberkopf, Rücken und Armdecken sind rotbraun mit gelben Bereichen an den Schultern; Bauch, Brust und die Handschwingen der Flügel sind türkisfarben. Über das Auge verläuft ein schwarzer Streif. Der Schwanz ist grünlich und hat in der Mitte verlängerte Schwanzspieße. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt. Die Jungvögel sind weniger bunt, mehr grün-braun, blasser und sie haben noch keine Schwanzspieße. Die Art ist sehr ruffreudig (ein weiches, oft wiederholtes „prrüt“, vor allem im Flug).

Biologie und Ökologie

Der Bienenfresser besiedelt offene und halboffene Landschaften in klimabegünstigter Lage (warm und sonnig) mit reichem Insektenangebot. Die Art brütet meist kolonieartig, aber auch einzeln und gräbt dazu Erdröhren in Steilwände. Bienenfresser führen eine monogame Saisonehe mit einer Jahresbrut. Beide Partner bauen, brüten und füttern; ggf. gibt es auch Aufzuchthelfer (unverpaarte Vögel oder solche mit Brutverlust). Das Vollgelege enthält meist 5-7 Eier. Die Brutdauer beträgt 20-22 Tage, worauf sich eine Nestlingsdauer von 31-33 Tagen anschließt.
Als Nahrung dienen mittelgroße bis große, meist im Flug oder von einer Sitzwarte aus erbeutete Insekten, vor allem Hautflügler (Bienen, Wespen, Hummeln), große Käfer (Maikäfer, Rosenkäfer), Libellen, Schmetterlinge und große Zweiflügler.
Der Bienenfresser ist ein Langstreckenzieher mit Winterquartieren in den Savannen des südlichen Afrikas sowie Westafrikas.

Überregionale Verbreitung

Das Brutareal des Bienenfressers erstreckt sich von Nordwestafrika und der Iberischen Halbinsel über Süd- und Südosteuropa bis nach Vorderasien, Nordindien, Nordwestchina und in die zentralasiatischen Steppen. Außerdem gibt es kleine Population in Südafrika. Das Hauptvorkommen in Mitteleuropa liegt vor allem in der ungarischen Tiefebene und in Niederösterreich.
In Deutschland gab es in den letzten Jahrzehnten eine vermutlich klimatische bedingte Ausbreitung nach Norden. Aktuell besetzt der Bienenfresser inselartige Verbreitungsschwerpunkte in klimatisch begünstigten Regionen. Das bedeutendste Vorkommensgebiet liegt im südlichen Sachsen-Anhalt beiderseits des mittleren und unteren Saaletales (in Sachsen-Anhalt im Jahr 2009 über 400 Brutpaare). Dieses Areal reicht im Norden bis an den Rand der Colbitz-Letzlinger Heide und entlang von Mulde und Elbe nach Sachsen hinein. Weitere größere Vorkommensinseln bestehen am südlichen Oberrhein (Kaiserstuhlgebiet; 2005 knapp 250 Brutpaare) sowie in der Vorderpfalz und Rheinhessen (2009 über 50 Brutpaare). Kleinere zerstreute Vorkommen gibt es darüber hinaus im Alpenvorland und in der Kölner Bucht.

Erhaltungszustand


Erhaltungszustand

günstig

Prüfung und Erfassung


Verantwortlichkeit (Sachsen)

Anteil Sachsen am deutschen Brutbestand: 2,9 %

Hinweise für Artenschutzprüfung

  • Vogelart mit hervorgehobener artenschutzrechtlicher Bedeutung
  • Einzelvorkommen als Bezug für die lokale Population bei artenschutzrechtlichen Prüfungen

Betrachtungsschwerpunkt Artenschutzprüfung

Brutvogelaspekt

Untersuchungsstandards

Methodik, Wertungsgrenzen und Zeitraum der Brutvogelerfassung gemäß Sübeck et al. (2005)

Sonstige Arten-Attribute

  • Besonders störungsempfindlich (TK25-Viertelquadrant)
  • Brutvogelart des SPA-Fachkonzeptes (im weiteren Sinne, Tab. 3)
  • Vogelart in den SPA-Standarddatenbögen (alt)
  • Vogelart des SPA-Monitorings (Brutvögel)

Mortalitäts-Gefährdungs-Index (MGI)

  • als Brutvogel: III.6 (mittel)
  • als Gastvogel: III.7 (mittel)

Naturschutzfachlicher Wert-Index (NWI)

  • als Brutvogel: 3 (mittel)
  • als Gastvogel: 4 (gering)

Populationsökologischer Sensitivitäts-Index (PSI)

  • als Brutvogel: 4 (relativ hoch)
  • als Gastvogel: 4 (relativ hoch)

Vorkommen


Status Etablierung

Indigene, Ureinheimische (Reproduktion)

Status Vögel

Brutvogel, Gastvogel

Bemerkung zum Status

lokaler und seltener Brutvogel (Sommervogel), Durchzügler

Nachweisabsicherung

Ja

Langfristiger Bestandstrend

deutliche Zunahme

Kurzfristiger Bestandstrend

deutliche Zunahme

Bestand

Brutbestand in Sachsen (nach Steffens et al. 2013):
1978-1982: 0 BP
1993-1996: 4-6 BP
2004-2007: 15-30 BP

Vorkommenskarte

Vorkommenskarte

Naturraumkarte

Naturraumkarte

Phänologie


Phänogramm

Phänogramm

Erläuterung Phänologie

Der Bienenfresser hält sich im Vergleich zu anderen Zugvögeln nur vergleichsweise kurz im Brutgebiet auf. In Sachsen kommt er ab Anfang/Mitte Mai an. Bevor die Kolonien besetzt werden, geht vor allem an neuen Standorten oft noch eine Erkundungsphase von ca. einem Monat voraus. In Kolonien gibt es häufig einen synchronen Brutablauf. Altvögel sind vor allem im Juni und Juli an ihre Brutplätze gebunden. Es wird eine Jahresbrut durchgeführt. Die Eiablage beginnt Ende Mai/Anfang Juni. Die Jungvögel werden frühestens Mitte Juli, meist erst Ende Juli/Anfang August flügge. Rasch nach dem Flüggewerden der Jungen erlischt die Bindung an den Brutplatz. Die Tiere verlassen die Kolonie und bilden Trupps, die weiträumig umherstreifen. Nicht selten schließen sie sich zu kopfstarken Verbänden zusammen. Im August/September kommt es zum Wegzug der einheimischen und zum Durchzug auswärtiger Bienenfresser.

Lebensraum


Der Bienenfresser besiedelt in Mitteldeutschland und Sachsen vor allem offene und halboffene Sekundärlebensräume von aktiven oder ehemaligen Abgrabungsgebieten (Braunkohlentagebaue, Kies-, Ton- und Sandgruben, auch kleinere Abgrabungen) sowie Abbrüche an Ufern und Hohlwegen. Die Art benötigt zur Anlage der Bruthöhlen standstabile, aber grabbare Steilwände (bevorzugt Lösswände), sowie eine reiches Insektenangebot im Umfeld der Brutplätze. Wichtige Habitatrequisiten sind Ansitzwarten wie Leitungen, Masten, Pfähle und trockene Äste. Letztere dienen als Ruheplätze sowie Start- und Landepunkte bei der Flugjagd.

Lebensräume nach Artenschutzrecht

Fortpflanzungsstätten:
Fortpflanzungsstätte ist die Brutkolonie (die besiedelte Steilwand oder die besiedelte Abgrabungsstruktur) und deren näheres Umfeld (200-500 m), in der die Hauptaktivitäten (z. B. Ansitze, Flugjagd, Kopulationen, Flugversuche der Jungen) stattfinden. Nahrungshabitate können nach Flade (1994) aber auch bis 4 km von der Kolonie entfernt sein. Diese entfernten Jagdbereiche gehören nicht zur Fortpflanzungsstätte.

Ruhestätten:
Als Ruhestätten dienen Ansitzwarten wie Leitungen, Masten, Pfähle und Bäume mit trockenen Ästen. Zur Brutzeit befinden sich diese im näheren Umfeld der Kolonie, sind also bei der Abgrenzung der Fortpflanzungsstätte einzuschließen. Nach der Brutzeit kommt es z. T. zu größeren Individuenansammlungen, die auf Leitungen oder hohen Bäumen mit trockenen oder freien Ästen (z. B. Pappeln) im weiteren Umfeld der Kolonien (bis 40 km) Tagesruheplätze und nächtliche Schlafplätze besetzen.

Habitatkomplexe

  • Bergbaubiotope
  • Fels-/Gesteins-/Offenbodenbiotope
  • Fließgewässer, Quellen
  • Gehölze, Baumbestand
  • Grünland, Grünanlagen
  • Heiden, Magerrasen
  • Ruderalfluren, Brachen
  • Stillgewässer inkl. Ufer

Habitatkomplexe Reproduktion

  • Bergbaubiotope
  • Fels-/Gesteins-/Offenbodenbiotope

Höhenstufen

  • collin
  • planar

Sonstiges


Literatur

Bernotat, D. & Dierschke, V. (2015): Übergeordnete Kriterien zur Bewertung der Mortalität wildlebender Tiere im Rahmen von Projekten und Eingriffen 2. Fassung - Stand 25.11.2015. (Studie als PDF-Datei)

Bezzel, E. (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Nonpasseriformes – Nichtsingvögel. AULA-Verlag, Wiesbaden.

Flade, M. (1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands. IHW-Verlag, Eching.

Gedeon, K.; Grüneberg, C.; Mitschke, A.; Sudfeldt, C.; Eikhorst, W.; Fischer, S.; Flade, M.; Frick, S.; Geiersberger, I.; Koop, B.; Kramer, M.; Krüger, T.; Roth, N.; Ryslavy, T.; Stübing, S; Sudmann, S. R.; Steffens, R.; Vökler, F. & Witt, K. (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten. Atlas of German Breeding Birds. Stiftung Vogelmonitoring Deutschland und Dachverband Deutscher Avifaunisten (Hrsg.), Münster.

Steffens, R.; Nachtigall, W.; Rau, S.; Trapp, H. & Ulbricht, J. (2013): Brutvögel in Sachsen. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden. (als PDF-Dateien unter Brutvögel in Sachsen, Seiten 1-247 sowie S. 248-436 bzw. S. 437-656)

Steffens, R.; Saemann, D. & Grössler, K. (Hrsg.) (1998): Die Vogelwelt Sachsens. Gustav Fischer Verlag, Jena.

Südbeck, P.; Andretzke, H.; Fischer, S.; Gedeon, K.; Schikore, T.; Schröder, K. & Sudfeldt, C. (Hrsg.) (2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Radolfzell.

Südbeck, P.; Bauer, H.-G.; Boschert, M.; Boye, P. & Knief, W. (2007): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands, 4. Fassung, 30. November 2007. Ber. Vogelschutz 44: 23-81.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bienenfresser

Bearbeitungsstand und Bearbeiter des Artensteckbriefes

Offizieller Artensteckbrief des LfULG; Stand: 01.09.2016; Bearbeiter: Jörg Huth, Hans-Markus Oelerich (Halle); Hinweise und Änderungsvorschläge bitte an: Heiner.Blischke@smul.sachsen.de

Legende zum Artensteckbrief unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22872.htm; Informationen zur Artengruppe für Sachsen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/23211.htm