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Locustella fluviatilis (Wolf, 1810) / Schlagschwirl (Sachsen)

Rechtlicher Schutz und Rote Liste


Artenschutzrechtlicher Schutzstatus:BG (besonders geschützt)
Rote Liste Deutschland:* (derzeit keine Gefährdung)
Rote Liste Sachsen:* (derzeit keine Gefährdung)

Allgemeine Arteninformationen


Taxonomie

keine Unterarten

Kennzeichen

Der Schlagschwirl ist ein sperlingsgroßer, rohrsängerartiger Singvogel, der etwas größer ist als der häufigere Feldschwirl. Die Oberseite ist einfarbig olivbraun und die Unterseite weißlich. Kehle und Brust haben olivbräunliche, verwaschene Längsstreifen, die Kopfseiten einen undeutlichen kurzen gelblichweißen Überaugenstreif. Die ebenfalls olivbräunlichen Unterschwanzdecken haben weißliche, halbmondförmige Spitzensäume. Die Geschlechter sind äußerlich nicht zu unterscheiden.

Biologie und Ökologie

Der Schlagschwirl besiedelt feuchte bis nasse Brennnessel- und Hochstaudenfluren mit lichtem Gehölzbestand, etwa im (Rand-)Bereich von Au- und Bruchwäldern, an Sümpfen oder Wiesengräben. Die Art baut das Nest bodennah in der Krautschicht bzw. in Gestrüpp. In monogamer Saisonehe kommt es zu einer Jahresbrut mit 4-6 Eiern. Nach einer Brutdauer von 13-15 Tagen schlüpfen die Jungvögel. Die Nestlingsdauer beträgt 11-13 Tage. Mit 18 Tagen sind die Jungen flügge. Brut und Aufzucht wird von beiden Altvögeln übernommen. Die Familienverbände lösen sich nach 22-23 Tagen auf.
Als Nahrung dienen kleinere bis mittelgroße Insekten und deren Larven sowie Spinnen. Der Schlagschwirl ist ein Langstreckenzieher.
Das Überwinterungsgebiet liegt im tropischen Ostafrika von Sambia und Malawi bis in den Nordosten Südafrikas und Botswanas.

Überregionale Verbreitung

Das Brutareal des Schlagschwirls erstreckt sich von Mitteleuropa, dem Südostrand der Ostsee und Südfinnland bis zum Westsibirischen Tiefland. Die Südgrenze der Verbreitung reicht bis zum Balkan, ans Schwarze Meer und zum Kaukasus. In Europa ist die Art vor allem im Osten und Nordosten Brutvogel. Die Westgrenze des Areals verläuft durch die Mitte Deutschlands (einzelne Nachweise aus Holland, Frankreich, Großbritannien). In den letzten Jahren wurde eine Tendenz zur Ausbreitung in Richtung Westen beobachtet.
In Deutschland liegt der Verbreitungsschwerpunkt im Nordostdeutschen Tiefland, hier ist vor allem Mecklenburg-Vorpommern und angrenzend der Südosten von Schleswig-Holstein und der Nordosten von Brandenburg dicht besiedelt. Nach Süden und Westen dünnt das Vorkommen merklich aus, eine zusammenhängende zerstreute Verbreitung mit lokalen Schwerpunkten in Flussniederungen (z. B. Aller, Drömling, Mittelelbe, Saale, Weiße Elster) reicht aber noch bis in die östliche Mittelgebirgsregion und in den Ostteil der Westlichen Mittelgebirgsregion (bis zum Oberen Main). In Süddeutschland gibt es lokale Vorkommen an Donau, Isar und Inn sowie in der Fränkischen Alb. Im Westen Deutschlands fehlt die Art weitgehend.

Erhaltungszustand


Erhaltungszustand

günstig

Prüfung und Erfassung


Verantwortlichkeit (Sachsen)

Anteil Sachsen am deutschen Brutbestand: 5,7 %

Hinweise für Artenschutzprüfung

  • Vogelart mit hervorgehobener artenschutzrechtlicher Bedeutung
  • Gemeindegebiet als Bezugsraum für die lokale Population bei artenschutzrechtlichen Prüfung

Betrachtungsschwerpunkt Artenschutzprüfung

Brutvogelaspekt

Untersuchungsstandards

Methodik, Wertungsgrenzen und Zeitraum der Brutvogelerfassung gemäß Südbeck et al. (2005)
Hinweise: Einsatz einer Klangattrappe und Nachtkontrolle sinnvoll, häufiger Revierwechsel singender Männchen, dabei hoher Anteil unverpaarter Männchen; bei Brutverdacht möglichst Brutnachweis über Nestbauverhalten absichern

Sonstige Arten-Attribute

  • Brutvogelart des SPA-Fachkonzeptes (im weiteren Sinne, Tab. 3)
  • Vogelart in den SPA-Standarddatenbögen (alt)
  • Vogelart des SPA-Monitorings (Brutvögel)

Mortalitäts-Gefährdungs-Index (MGI)

  • als Brutvogel: IV.8 (mäßig)
  • als Gastvogel: IV.8 (mäßig)

Naturschutzfachlicher Wert-Index (NWI)

  • als Brutvogel: 4 (gering)
  • als Gastvogel: 4 (gering)

Populationsökologischer Sensitivitäts-Index (PSI)

  • als Brutvogel: 5 (mittel)
  • als Gastvogel: 5 (mittel)

Vorkommen


Status Etablierung

Indigene, Ureinheimische (Reproduktion)

Status Vögel

Brutvogel, Gastvogel

Bemerkung zum Status

Sommervogel, Durchzügler

Nachweisabsicherung

Nein

Langfristiger Bestandstrend

  • deutliche Zunahme
  • gleichbleibend

Kurzfristiger Bestandstrend

deutliche Zunahme

Bestand

Brutbestand in Sachsen (nach Steffens et al. 2013):
1978-1982: 50-80 BP
1993-1996: 100-150 BP
2004-2007: 250-400 BP

Vorkommenskarte

Vorkommenskarte

Naturraumkarte

Naturraumkarte

Phänologie


Phänogramm

Phänogramm

Erläuterung Phänologie

Der Schlagschwirl kommt in Sachsen ab Anfang Mai, selten schon Ende April an. Der Durchzug erstreckt sich wahrscheinlich noch über den gesamten Mai. Die Brutzeit (eine Jahresbrut) reicht von Mitte Mai bis Ende Juli. Die meisten singenden Männchen sind in der zweiten Maihälfte zu hören, etwa Mitte Juli endet die Gesangsperiode. Die Eiablage findet meist in der dritten Mai-Dekade statt. Herbstdurchzug und Wegzug in das Winterquartier vollziehen sich im August/September, vereinzelt auch bis Anfang/Mitte Oktober (Steffens et al. 1998, 2013).

Lebensraum


Der Schlagschwirl besiedelt in Sachsen schwerpunktmäßig Flussauen (z. B. Abschnitte der Auen von Elbe, Mulde, Neiße oder Weißer Elster) und Bachniederungen, wo er in dichten Staudenfluren, vor allem am Rand von Auwäldern (insbesondere Weichholzauen), Ufergehölzen, Bruch- und Feuchtwäldern sowie Feuchtgebüschen vorkommt. Zudem bewohnt er dichte gebüschreiche Verlandungszonen von Teichen und nährstoffreichen Stillgewässern, versumpfte Wiesensenken oder Kläranlagen. Charakteristisch sind standortfeuchte Lebensräume mit hochwüchsiger, dichter Krautschicht (vor allem Brennnessel, Kletten-Labkraut, feuchte Hochstaudenfluren, Großseggen, Schilf, Rohrglanzgras, Himbeere) und Feuchtgebüschen (Grauweiden u. a.), häufig aber auch mit lockerem Baumbestand aus Erlen, Weiden oder Espen.

Lebensräume nach Artenschutzrecht

Fortpflanzungsstätten:
Die Fortpflanzungsstätte ist das Brutrevier. Dieses hat eine Größe von 200 m² bis 0,8 ha (Flade 1994).

Ruhestätten:
Die Ruhestätten liegen während der Brutzeit im Brutrevier (Nest und wahrscheinlich die dichte bodennahe Vegetation in Nestnähe).

Habitatkomplexe

  • Feuchtgrünland, Staudenfluren
  • Fließgewässer, Quellen
  • Gehölze, Baumbestand
  • Sümpfe, Niedermoore, Ufer

Habitatkomplexe Reproduktion

  • Feuchtgrünland, Staudenfluren
  • Fließgewässer, Quellen
  • Gehölze, Baumbestand
  • Sümpfe, Niedermoore, Ufer

Höhenstufen

  • collin
  • montan
  • planar

Sonstiges


Literatur

Bernotat, D. & Dierschke, V. (2015): Übergeordnete Kriterien zur Bewertung der Mortalität wildlebender Tiere im Rahmen von Projekten und Eingriffen 2. Fassung - Stand 25.11.2015. (Studie als PDF-Datei)

Bezzel, E. (1993): Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Passeres - Singvögel. AULA-Verlag, Wiesbaden.

Flade, M. (1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands. IHW-Verlag, Eching.

Gedeon, K.; Grüneberg, C.; Mitschke, A.; Sudfeldt, C.; Eikhorst, W.; Fischer, S.; Flade, M.; Frick, S.; Geiersberger, I.; Koop, B.; Kramer, M.; Krüger, T.; Roth, N.; Ryslavy, T.; Stübing, S; Sudmann, S. R.; Steffens, R.; Vökler, F. & Witt, K. (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten. Atlas of German Breeding Birds. Stiftung Vogelmonitoring Deutschland und Dachverband Deutscher Avifaunisten (Hrsg.), Münster.

Steffens, R.; Nachtigall, W.; Rau, S.; Trapp, H. & Ulbricht, J. (2013): Brutvögel in Sachsen. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden. (als PDF-Dateien unter Brutvögel in Sachsen, Seiten 1-247 sowie S. 248-436 bzw. S. 437-656)

Steffens, R.; Saemann, D. & Grössler, K. (Hrsg.) (1998): Die Vogelwelt Sachsens. Gustav Fischer Verlag, Jena.

Südbeck, P.; Andretzke, H.; Fischer, S.; Gedeon, K.; Schikore, T.; Schröder, K. & Sudfeldt, C. (Hrsg.) (2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Radolfzell.

Südbeck, P.; Bauer, H.-G.; Boschert, M.; Boye, P. & Knief, W. (2007): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands, 4. Fassung, 30. November 2007. Ber. Vogelschutz 44: 23-81.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schlagschwirl

Bearbeitungsstand und Bearbeiter des Artensteckbriefes

Offizieller Artensteckbrief des LfULG; Stand: 27.09.2016; Bearbeiter: Jörg Huth, Michael Reuter, Hans-Markus Oelerich (Halle); Hinweise und Änderungsvorschläge bitte an: Heiner.Blischke@smul.sachsen.de

Legende zum Artensteckbrief unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22872.htm; Informationen zur Artengruppe für Sachsen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/23211.htm