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Locustella luscinioides (Savi, 1824) / Rohrschwirl (Sachsen)

Rechtlicher Schutz und Rote Liste


Artenschutzrechtlicher Schutzstatus:SG (streng geschützt)
Rote Liste Deutschland:* (derzeit keine Gefährdung)
Rote Liste Sachsen:R (extrem selten)

Allgemeine Arteninformationen


Taxonomie

2-3 Unterarten, in Mitteleuropa Locustella luscinioides luscinioides (Savi, 1824)

Kennzeichen

Der Rohrschwirl ist ein sperlingsgroßer bräunlicher Singvogel, der dem Teichrohrsänger sehr ähnlich ist. Im Gegensatz zu den beiden anderen heimischen Schwirl-Arten ist der Rohrschwirl ungestreift bzw. ungestrichelt. Die Oberseite ist rotbraun (weniger olivbraun als beim Schlagschwirl), ein undeutlicher schmaler Überaugenstreif ist vorhanden. Die Unterseite ist weiß bis hellbeige, die Flanken sind hell rostgrau. Die Geschlechter sind nach Farbe und Gestalt nicht zu unterscheiden.

Biologie und Ökologie

Die bevorzugten Bruthabitate des Rohrschwirls sind wasserständige Röhrichtzonen von Seen, Teichen, Flüssen und Boddengewässern. Das Nest wird bevorzugt in der Knickschicht der Röhrichtvegetation angelegt. In monogamer Saisonehe werden 1-2 Jahresbruten mit jeweils 3-6 Eiern durchgeführt. Die Brutdauer beträgt 12-14 Tage, die Nestlingsdauer 11-15 Tage. An Brut und Jungenaufzucht beteiligen sich beide Altvögel.
Als Nahrung dienen kleine Insekten und deren Larven.
Der Rohrschwirl ist ein Langstreckenzieher und überwintert hauptsächlich in Afrika zwischen dem Südrand der Sahara und dem Nordrand des tropischen Regenwaldes.

Überregionale Verbreitung

Das Brutgebiet des Rohrschwirls erstreckt sich vom Rand Nordwest-Afrikas über die mittleren und südlichen Breiten Europas bis nach Kleinasien und Israel und im Osten bis zum Kaspischen Meer und zum Ural. Davon getrennt gibt es in Mittelasien weitere Teilareale vom Kaspischen Meer bis nach Kasachstan und zum äußersten Nordwesten Chinas.
Die Nord-Grenze der Verbreitung in Europa verläuft von Süd-England und Nord-Frankreich über Dänemark, den südlichen Ostseeraum und bei 55-56° N bis zum Ural. Im Süden Europas und in Kleinasien ist das Areal stark aufgesplittert und verinselt.
In Deutschland gibt es einen deutlichen Verbreitungsschwerpunkt im Nordostdeutschen Tiefland. Hier sind vor allem Mecklenburg-Vorpommern der Nordosten Brandenburgs, das Havelland und die Spreewald-Region dicht besiedelt. Im Süden reicht die geschlossenere Verbreitung bis zur Mittelelbe, das Gebiet um Halle und bis zur Oberlausitz, im Nordwesten bis zur Ostseeküste Schleswig-Holsteins. West- und Süddeutschland sind nur sehr zerstreut und inselhaft besiedelt. Kleinere Vorkommensschwerpunkte gibt es an den Flussmündungen der Nordseeküste sowie im Alpenvorland (Voralpenseen und -moore, Donau und Nebenflüsse).

Erhaltungszustand


Erhaltungszustand

günstig

Prüfung und Erfassung


Verantwortlichkeit (Sachsen)

Anteil Sachsen am deutschen Brutbestand: 2,1 %

Hinweise für Artenschutzprüfung

  • Vogelart mit hervorgehobener artenschutzrechtlicher Bedeutung
  • Gemeindegebiet als Bezugsraum für die lokale Population bei artenschutzrechtlichen Prüfung

Betrachtungsschwerpunkt Artenschutzprüfung

Brutvogelaspekt

Untersuchungsstandards

Methodik, Wertungsgrenzen und Zeitraum der Brutvogelerfassung gemäß Südbeck et al. (2005)
Hinweise: Einsatz einer Klangattrappe sinnvoll, vor allem in weitläufigen, unzugänglichen Gebieten und bei Einzelvorkommen; bei Mehrfachbruten sind Umsiedlungen möglich (Doppelzählungen vermeiden)

Sonstige Arten-Attribute

  • Brutvogelart des SPA-Fachkonzeptes (im weiteren Sinne, Tab. 3)
  • Vogelart in den SPA-Standarddatenbögen (alt)
  • Vogelart des SPA-Monitorings (Brutvögel)

Mortalitäts-Gefährdungs-Index (MGI)

  • als Brutvogel: IV.8 (mäßig)
  • als Gastvogel: IV.8 (mäßig)

Naturschutzfachlicher Wert-Index (NWI)

  • als Brutvogel: 4 (gering)
  • als Gastvogel: 4 (gering)

Populationsökologischer Sensitivitäts-Index (PSI)

  • als Brutvogel: 5 (mittel)
  • als Gastvogel: 5 (mittel)

Vorkommen


Status Etablierung

Indigene, Ureinheimische (Reproduktion)

Status Vögel

Brutvogel, Gastvogel

Bemerkung zum Status

Sommervogel, Durchzügler

Nachweisabsicherung

Nein

Langfristiger Bestandstrend

  • gleichbleibend
  • deutliche Zunahme

Kurzfristiger Bestandstrend

deutliche Zunahme

Bestand

Brutbestand in Sachsen (nach Steffens et al. 2013):
1978-1982: 50-70 BP
1993-1996: 40-60 BP
2004-2007: 120-200 BP

Vorkommenskarte

Vorkommenskarte

Naturraumkarte

Naturraumkarte

Phänologie


Phänogramm

Phänogramm

Erläuterung Phänologie

Der Rohrschwirl kommt in den sächsischen Brutgebieten meist gegen Ende der ersten und in der zweiten Aprildekade an, der Durchzug erstreckt sich dann noch mindestens bis Mitte Mai. Der Gesangsschwerpunkt der Art liegt im Zeitraum von Anfang Mai bis Mitte Juni. Die bislang sehr wenigen Angaben zu Bruten in Sachsen lassen auf eine Brutzeit von Mitte Mai bis Ende Juli schließen. Es werden ein bis zwei Bruten durchgeführt. Der Wegzug beginnt Mitte-Ende Juli, erreicht sein Maximum im August und klingt im September aus (Steffens et al. 1998, 2013).

Lebensraum


Der Rohrschwirl besiedelt in Sachsen vor allem Standgewässer mit größeren Verlandungszonen, insbesondere die Teiche des Tieflandes (mit eindeutigem Schwerpunkt in der Lausitz), aber auch Bergbaurestgewässer und Altwässer. Die Art bevorzugt ausgedehnte Verlandungszonen mit meist wasserständigen, zumindest aber schwach wasserdurchfluteten Röhrichten mit mehrschichtigem Aufbau. Der Rohrschwirl besiedelt vor allem mehrjährige Schilfbestände, die von anderen Röhrichtpflanzen (Rohrkolben, Großseggen, Binsen), Weidengebüschen und freien Wasserstellen durchsetzt sind und kommt z. T. auch in reinen Schilf- oder Rohrkolbenbeständen sowie in Großseggenrieden oder Wasserschwadenbeständen, die mit Schilf oder Rohrkolben durchwachsen sind, vor. Die Art nutzt vorjähriges Schilf als Singwarte. Seggen, Binsen, breitblättrige Stauden oder die Streu- und Knickschilfschicht dienen als Neststandort.

Lebensräume nach Artenschutzrecht

Fortpflanzungsstätten:
Die Fortpflanzungsstätte ist das Brutrevier. Dieses hat eine Größe von 400 m² bis 0,8 ha (Flade 1994).

Ruhestätten:
Die Ruhestätten während der Brutzeit liegen im Brutrevier, wahrscheinlich im Röhricht im näheren Umfeld des Neststandortes.

Habitatkomplexe

  • Bergbaubiotope
  • Stillgewässer inkl. Ufer
  • Sümpfe, Niedermoore, Ufer

Habitatkomplexe Reproduktion

  • Bergbaubiotope
  • Stillgewässer inkl. Ufer
  • Sümpfe, Niedermoore, Ufer

Höhenstufen

  • collin
  • planar

Sonstiges


Literatur

Bernotat, D. & Dierschke, V. (2015): Übergeordnete Kriterien zur Bewertung der Mortalität wildlebender Tiere im Rahmen von Projekten und Eingriffen 2. Fassung - Stand 25.11.2015. (Studie als PDF-Datei)

Bezzel, E. (1993): Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Passeres - Singvögel. AULA-Verlag, Wiesbaden

FLADE, M. (1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands. IHW-Verlag, Eching.

Flade, M. (1994): Die Brutvogelgemeinschaften Mittel- und Norddeutschlands. IHW-Verlag, Eching.

Gedeon, K.; Grüneberg, C.; Mitschke, A.; Sudfeldt, C.; Eikhorst, W.; Fischer, S.; Flade, M.; Frick, S.; Geiersberger, I.; Koop, B.; Kramer, M.; Krüger, T.; Roth, N.; Ryslavy, T.; Stübing, S; Sudmann, S. R.; Steffens, R.; Vökler, F. & Witt, K. (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten. Atlas of German Breeding Birds. Stiftung Vogelmonitoring Deutschland und Dachverband Deutscher Avifaunisten (Hrsg.), Münster.

Steffens, R.; Nachtigall, W.; Rau, S.; Trapp, H. & Ulbricht, J. (2013): Brutvögel in Sachsen. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden. (als PDF-Dateien unter Brutvögel in Sachsen, Seiten 1-247 sowie S. 248-436 bzw. S. 437-656)

Steffens, R.; Saemann, D. & Grössler, K. (Hrsg.) (1998): Die Vogelwelt Sachsens. Gustav Fischer Verlag, Jena.

Südbeck, P.; Andretzke, H.; Fischer, S.; Gedeon, K.; Schikore, T.; Schröder, K. & Sudfeldt, C. (Hrsg.) (2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Radolfzell.

Südbeck, P.; Bauer, H.-G.; Boschert, M.; Boye, P. & Knief, W. (2007): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands, 4. Fassung, 30. November 2007. Ber. Vogelschutz 44: 23-81.

Bearbeitungsstand und Bearbeiter des Artensteckbriefes

Offizieller Artensteckbrief des LfULG; Stand: 27.09.2016; Bearbeiter: Jörg Huth, Michael Reuter, Hans-Markus Oelerich (Halle); Hinweise und Änderungsvorschläge bitte an: Heiner.Blischke@smul.sachsen.de

Legende zum Artensteckbrief unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22872.htm; Informationen zur Artengruppe für Sachsen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/23211.htm