Art suchen:
Bundesland auswählen:

Sylvia nisoria (Bechstein, 1795) / Sperbergrasmücke (Sachsen)

Rechtlicher Schutz und Rote Liste


Artenschutzrechtlicher Schutzstatus:SG (streng geschützt)
Vogelschutzrichtlinie Schutzstatus:VRL-Anh.I (Art des Anhang I der Vogelschutzrichtlinie)
Rote Liste Deutschland:3 (gefährdet)
Rote Liste Sachsen:V (zurückgehende Art lt.Vorwarnliste, zurückgehende Pflanzengesellschaften (keine Gefährdungskategorie!))

Allgemeine Arteninformationen


Taxonomie

2 Unterarten werden unterschieden: Sylvia nisoria nisoria (von Europa bis zum Kaukasus vorkommend) und S. n. merzbacheri (vom Nordiran bis Mongolei).

Kennzeichen

Die Sperbergrasmücke ist die größte Grasmückenart und etwa so groß wie ein Neuntöter. Adulte Männchen haben im Brutkleid eine graue Oberseite, die helle Unterseite ist sperberartig quergebändert. Die Flügel sind grau und haben 1-2 schmale weiße Binden. Der graue Schwanz hat im Flug auffallende weiße Federspitzen. Markant ist auch die intensiv gelbe Iris der Augen. Adulte Weibchen sind weniger auffällig gefärbt. Die Oberseite ist braungrau, die Sperberung auf Brust und Bauch reduziert und die Iris dunkler. Immature (noch nicht voll ausgefärbte) Vögel ähneln der Gartengrasmücke, sind jedoch durch die Größe, eine grauere Färbung und beige gefärbte Ränder der Flügelfedern zu unterscheiden. Die Sperberung fehlt noch weitgehend.
Auch der Gesang der Sperbergrasmücke ähnelt dem der Gartengrasmücke, ist aber lauter und kurzstrophiger. Sehr charakteristisch und das beste akustische Erkennungsmerkmal der Sperbergrasmücke ist ihr schnarrender Warnruf.

Biologie und Ökologie

Die Sperbergrasmücke bevorzugt warme trockene Regionen. In Europa ist sie häufig mit dem Neuntöter (Lanis collurio) vergesellschaftet. Sie ist Brutvogel reich strukturierter, halboffener Landschaften mit dornstrauchreichen Kleingehölzen, Hecken und Waldrändern, die meist an extensiv genutzte Flächen angrenzen. Das Nest wird (bodennah bis in 1,5 m Höhe) in dornigen Büschen angelegt. Höhere Sträucher bzw. niedrige Bäume dienen als Ansitz- und Singwarten. Die Sperbergrasmücke kommt besonders in aufgelichteten Streuobstbeständen, bahn- oder wegbegleitenden Hecken, locker verbuschten Brachen, Gebüschinseln auf extensiv genutzten Wiesen und Weiden, auf verbuschten Halden, an aufgelichteten Waldrändern sowie in gebüschreichen halboffenen Bergbaufolgelandschaften vor.
Es wird eine Jahresbrut durchgeführt. Die Vollgelege enthalten meist 3-6 Eier. Die Brutdauer liegt bei 12-13 Tagen und die Nestlingszeit bei ca. 11 Tagen.
Die Nahrung besteht aus Insekten und anderen Wirbellosen. Ab Frühsommer werden auch Beeren und andere weiche Früchte gefressen.
Die Sperbergrasmücke ist ein Langstreckenzieher und überwintert im östlichen Afrika von Südsudan bis Nord-Tansania.

Überregionale Verbreitung

Die Sperbergrasmücke ist zentralpaläarktisch verbreitet. Das Brutareal erstreckt sich in der gemäßigten Zone Europas und Asiens von Süd-Skandinavien und Mitteleuropa bis in die Mongolei und nach Nordwest-China sowie im Süden bis ins nördliche Vorderasien. Die westliche Arealgrenze führt durch Deutschland, so dass die Art fast ausschließlich in den östlichen Bundesländern (im kontinental geprägten Nordostdeutschen Tiefland) vorkommt. In den ostdeutschen Mittelgebirgsregionen beschränkt sich die Besiedlung auf Randlagen des Thüringer Beckens sowie auf wenige Gebiete im Erzgebirge und in der südlichen Lausitz.

Erhaltungszustand


Erhaltungszustand

ungünstig-unzureichend

Prüfung und Erfassung


Verantwortlichkeit (Sachsen)

Anteil Sachsen am deutschen Brutbestand: 7,1 %

Hinweise für Artenschutzprüfung

  • Vogelart mit hervorgehobener artenschutzrechtlicher Bedeutung
  • Einzelvorkommen als Bezug für die lokale Population bei artenschutzrechtlichen Prüfungen

Betrachtungsschwerpunkt Artenschutzprüfung

Brutvogelaspekt

Untersuchungsstandards

Methodik, Wertungsgrenzen und Zeitraum der Brutvogelerfassung gemäß Südbeck et al. (2005)
Hinweise: Zur Revierabgrenzung bei hoher Siedlungsdichte und bei isolierten Vorkommen einzelner Paare ist der Einsatz einer Klangattrappe zur Bestandserfassung notwendig. Nachweise abseits der bekannten Brutvorkommen sind der Avifaunistische Kommission Sachsen (AKS) zu melden.

Sonstige Arten-Attribute

  • Brutvogelart des SPA-Fachkonzeptes (im engeren Sinne, Tab. 1+2)
  • Triggerart (Vögel) - Brut
  • Brutvogelart der SPA-Erhaltungszieleverordnungen
  • Vogelart in den SPA-Standarddatenbögen (alt)
  • Brutvogelart in den SPA-Standarddatenbögen (neu) - Fortpflanzung
  • Vogelart des SPA-Monitorings (Brutvögel)

Mortalitäts-Gefährdungs-Index (MGI)

  • als Brutvogel: III.7 (mittel)
  • als Gastvogel: IV.8 (mäßig)

Naturschutzfachlicher Wert-Index (NWI)

  • als Brutvogel: 3 (mittel)
  • als Gastvogel: 4 (gering)

Populationsökologischer Sensitivitäts-Index (PSI)

  • als Brutvogel: 5 (mittel)
  • als Gastvogel: 5 (mittel)

Vorkommen


Status Etablierung

Indigene, Ureinheimische (Reproduktion)

Status Vögel

Brutvogel, Gastvogel

Bemerkung zum Status

Sommervogel, Durchzügler

Nachweisabsicherung

Nein

Langfristiger Bestandstrend

gleichbleibend

Kurzfristiger Bestandstrend

  • deutliche Zunahme
  • gleichbleibend

Bestand

Brutbestand in Sachsen (nach Steffens et al. 2013):
1978-1982: 300-600 BP
1993-1996: 500-1000 BP
2004-2007: 400-800 BP
Die Art zeigt zum Teil starke jährliche Bestandsschwankungen, die vermutlich auch im Zusammenhang mit dem Auftreten ungünstiger atlantischer (feucht-kühler) und förderlicher kontinentaler (trocken-warmer) Sommer stehen.

Vorkommenskarte

Vorkommenskarte

Naturraumkarte

Naturraumkarte

Phänologie


Phänogramm

Phänogramm

Erläuterung Phänologie

Die Sperbergrasmücke kommt in den sächsischen Brutgebieten ab Ende April/Anfang Mai an. Die Brutzeit erstreckt sich von (Anfang)/Mitte Mai bis Ende Juli/Anfang August mit Schwerpunkt Mitte Mai bis Mitte Juli. Der Wegzug ist unauffällig und findet wahrscheinlich ab Juli statt, vereinzelter Durchzug ist im August und z. T. noch im September zu beobachten (Steffens et al. 2013).

Lebensraum


Die Sperbergrasmücke bevorzugt offenes, sonniges Gelände mit Gebüschgruppen oder Saumgebüsche an Gehölz- und Waldrändern. Wichtig sind ein mehrstufiger Bestandsaufbau und das Vorhandensein von Dorngebüschen (Brombeere, Rose, Schlehe, Weißdorn, Sanddorn, Robinie). Sie besiedelt vor allem das sächsische Tiefland. Regionale Vorkommensschwerpunkte sind die Bergbaufolgelandschaften nördlich und vor allem südlich von Leipzig und in der Lausitz sowie die ehemaligen Truppenübungsplätze in den nordostsächsischen Heidegebieten. Daneben kommt sie an Gehölz- und Wegrändern, im Uferbereich von Teichen, Talsperren und Fließgewässern, an Bahndämmen und Ödland, im Bereich ehemaliger Weinberge im Elbtal, im Ackerhügelland auf Kuppen mit geringer Bodendeckung sowie an alten Steinbrüchen und verbuschten Streuobstwiesen vor. Die Vorkommen an Südhängen in den wärmebegünstigten unteren Gebirgslagen sind mittlerweile rückläufig (z. B. Pöhlberg bei Annaberg). Die Sperbergrasmücke brütet oft in enger Nachbarschaft zum Neuntöter.

Lebensräume nach Artenschutzrecht

Fortpflanzungsstätten:
Fortpflanzungsstätte ist das Brutrevier. Der Raumbedarf zur Brutzeit beträgt nach Flade (1994) 1,3 bis über 7 ha.

Ruhestätten:
Ruhestätten liegen zur Brutzeit innerhalb des Brutreviers. Junge Grasmücken übernachten häufig zunächst im Gebüsch des Neststandorts, adulte Tiere (einzeln oder paarweise) auch in anderen Gebüschen.

Habitatkomplexe

  • Äcker und Sonderkulturen
  • Bergbaubiotope
  • Gehölze, Baumbestand
  • Grünland, Grünanlagen
  • Heiden, Magerrasen
  • Ruderalfluren, Brachen

Habitatkomplexe Reproduktion

  • Bergbaubiotope
  • Gehölze, Baumbestand
  • Heiden, Magerrasen
  • Ruderalfluren, Brachen

Höhenstufen

  • collin
  • montan
  • planar

Sonstiges


Literatur

Bauer, H.-G.; Bezzel, E. & Fiedler, W. (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 2: Passeriformes - Sperlingsvögel, 2. Aufl., Wiebelsheim.

Bernotat, D. & Dierschke, V. (2015): Übergeordnete Kriterien zur Bewertung der Mortalität wildlebender Tiere im Rahmen von Projekten und Eingriffen 2. Fassung - Stand 25.11.2015. (Studie als PDF-Datei)

Gedeon, K.; Grüneberg, C.; Mitschke, A.; Sudfeldt, C.; Eikhorst, W.; Fischer, S.; Flade, M.; Frick, S.; Geiersberger, I.; Koop, B.; Kramer, M.; Krüger, T.; Roth, N.; Ryslavy, T.; Stübing, S; Sudmann, S. R.; Steffens, R.; Vökler, F. & Witt, K. (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten. Atlas of German Breeding Birds. Stiftung Vogelmonitoring Deutschland und Dachverband Deutscher Avifaunisten (Hrsg.), Münster.

Glutz von Blotzheim, U. N. & Bauer, K. M. (1991): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. - Bd. 12/II Passeriformes (3. Teil). Wiesbaden.

Hagemeijer, W. J. M. & Blair, M. J. (eds.) (1997): The EBCC Atlas of European Breeding Birds: Their distribution and abundance. London.

Steffens, R.; Nachtigall, W.; Rau, S.; Trapp, H. & Ulbricht, J. (2013): Brutvögel in Sachsen. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden. (als PDF-Dateien unter Brutvögel in Sachsen, Seiten 1-247 sowie S. 248-436 bzw. S. 437-656)

Steffens, R.; Saemann, D. & Grössler, K. (Hrsg.) (1998): Die Vogelwelt Sachsens. Gustav Fischer Verlag, Jena.

Südbeck, P.; Andretzke, H.; Fischer, S.; Gedeon, K.; Schikore, T.; Schröder, K. & Sudfeldt, C. (Hrsg.) (2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Radolfzell.

Südbeck, P.; Bauer, H.-G.; Boschert, M.; Boye, P. & Knief, W. (2007): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands, 4. Fassung, 30. November 2007. Ber. Vogelschutz 44: 23-81.

Bearbeitungsstand und Bearbeiter des Artensteckbriefes

Offizieller Artensteckbrief des LfULG; Stand: 27.09.2016; Bearbeiter: Jörg Huth, Hans-Markus Oelerich (Halle), Dr. Matthias Weber (Heidenau); Hinweise und Änderungsvorschläge bitte an: Heiner.Blischke@smul.sachsen.de

Legende zum Artensteckbrief unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22872.htm; Informationen zur Artengruppe für Sachsen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/23211.htm