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Phylloscopus trochiloides (Sundevall, 1837) / Grünlaubsänger (Sachsen)

Synonyme


Grüner Laubsänger

Rechtlicher Schutz und Rote Liste


Artenschutzrechtlicher Schutzstatus:BG (besonders geschützt)
Rote Liste Deutschland:R (extrem selten)
Rote Liste Sachsen:R (extrem selten)

Allgemeine Arteninformationen


Taxonomie

4 Unterarten, in Mitteleuropa brütet die Unterart Phylloscopus trochiloides viridanus Blyth, 1843

Kennzeichen

Der Grünlaubsänger ist ein kleiner olivgrüner Singvogel mit grauweißer Bauchseite und weißlichem Überaugenstreif. Die Art ähnelt dem Zilpzalp und dem Fitis. Im Unterschied zu diesen hat der Grünlaubsänger eine schmale weißliche Flügelbinde, die jedoch häufig undeutlich ausgeprägt bzw. abgerieben ist. Eine relativ sichere Unterscheidung ist durch Lockruf und Gesang möglich. Beide Geschlechter sehen gleich aus.

Biologie und Ökologie

Der Grünlaubsänger besiedelt Misch- und Laubwälder mit altem Baumbestand sowie strukturreiche ältere Nadel(misch)wälder (vor allem Fichtenwälder). Er benötigt den Baumbestand überragende Singwarten und bevorzugt Standorte mit ausgeprägtem Bodenrelief bzw. steile Lagen, z. B. Laubwälder und Gebüsche an Steilküsten der Ostsee oder Hang- und Schluchtwälder in höheren Mittelgebirgslagen.
Die Art ist Bodenbrüter und baut ein kugelförmiges Nest mit seitlicher Öffnung in eine Nische oder Höhlung einer Geländestufe oder einer Abbruchkante, selten direkt am Boden im Wurzelbereich eines Baumes.
Es wird in der Regel eine Jahresbrut mit meist 4-6 Eiern durchgeführt. Das Weibchen baut das Nest. Die Brutdauer beträgt 12-13 Tage, die Nestlingsdauer 12-14 Tage. Nur das Weibchen brütet und hudert (schützt, wärmt, bedeckt) die Jungvögel. Die Aufzucht der Jungen wird von beiden Geschlechtern übernommen.
Als Nahrung dienen kleine Insekten und deren Entwicklungsstadien, Spinnen sowie Schnecken.
Der Grünlaubsänger ist ein Langstreckenzieher. Seine Hauptüberwinterungsquartiere liegen in Indien und Südost-Asien.

Überregionale Verbreitung

Das Brutareal des Grünlaubsängers erstreckt sich über die mittlere und südliche Taigazone vom östlichen Mitteleuropa und dem Baltikum bis zum Jenissei, zudem kommt er auch in den montanen Nadelwäldern der zentralasiatischen Hochgebirge (Tienschan, Hindukusch, nach Süden bis in den Himalaja) vor.
In Mitteleuropa ist die Art bislang ein sehr seltener Brut- und Sommervogel (vor allem in Nordost- und Ost-Polen). In den letzten Jahrzehnten gab es eine Ausbreitungstendenz nach Westen mit Zunahme der Nachweise in Deutschland, die die Westgrenze des Areals markieren. Für den Zeitraum 2005-2009 wird für Deutschland ein Gesamtbestand von 2-10 Revieren angegeben. Regelmäßige Feststellungen von singenden Vögeln erfolgten bislang in zwei Schwerpunktbereichen: einerseits an der Ostseeküste (Rügen, Usedom, Hiddensee, Greifswalder Oie, Darß, Raum Wismar), andererseits an wechselnden Orten der höheren Mittelgebirgslagen Mittel- und Ostdeutschlands (Hochharz, Erzgebirge, Vogtland, Elbsandsteingebirge). Sporadische Nachweise gab es auch auf Helgoland, östlich der Müritz und im Raum Berlin.

Erhaltungszustand


Erhaltungszustand

nicht bewertet

Prüfung und Erfassung


Verantwortlichkeit (Sachsen)

Anteil Sachsen am deutschen Brutbestand: 40,0 %

Hinweise für Artenschutzprüfung

  • Vogelart mit hervorgehobener artenschutzrechtlicher Bedeutung
  • Einzelvorkommen als Bezug für die lokale Population bei artenschutzrechtlichen Prüfungen

Betrachtungsschwerpunkt Artenschutzprüfung

Brutvogelaspekt

Untersuchungsstandards

Methodik, Wertungsgrenzen und Zeitraum der Brutvogelerfassung gemäß Südbeck et al. (2005)
Hinweis: bei Nachweisen Bestätigung durch die Deutsche Seltenheitskommission notwendig

Sonstige Arten-Attribute

  • Brutvogelart des SPA-Fachkonzeptes (im weiteren Sinne, Tab. 3)
  • Vogelart in den SPA-Standarddatenbögen (alt)
  • Vogelart des SPA-Monitorings (Brutvögel)

Mortalitäts-Gefährdungs-Index (MGI)

  • als Brutvogel: III.6 (mittel)
  • als Gastvogel: IV.9 (mäßig)

Naturschutzfachlicher Wert-Index (NWI)

  • als Brutvogel: 2 (hoch)
  • als Gastvogel: 5 (sehr gering)

Populationsökologischer Sensitivitäts-Index (PSI)

  • als Brutvogel: 5 (mittel)
  • als Gastvogel: 5 (mittel)

Vorkommen


Status Etablierung

Unbeständige, Vermehrungsgäste

Status Vögel

Brutvogel

Bemerkung zum Status

sehr seltener lokaler Brutvogel (Sommervogel)

Nachweisabsicherung

Ja

Langfristiger Bestandstrend

deutliche Zunahme

Kurzfristiger Bestandstrend

deutliche Zunahme

Bestand

1966, 1968, 1972, 1982, 1985: Einzelnachweise singender Männchen (4 x Vogtland, 1 x Sächsische Schweiz)
1988 (Nachweishäufung): 3-4 singende Männchen (davon 3 x im Vogtland, 1 x bei Nossen)
1999: Nestfund (Sächsische Schweiz) (Mitt.Ver.Sächs.Ornit. 8, 1999: S. 387-392)
2005-2009: 3 Reviere (2 x Vogtland; 1 x Osterzgebirge: Brutnachweis 2005)

Vorkommenskarte

Vorkommenskarte

Naturraumkarte

Naturraumkarte

Phänologie


Phänogramm

Phänogramm

Erläuterung Phänologie

Nachweise singender Männchen gelangen in Sachsen vor allem Anfang im Juni bis Anfang Juli, ausnahmsweise schon ab Mitte Mai (Steffens et al. 1998). Bisher liegen zwei Brutnachweise vor: am 20.07.1999 Nest mit 5 Jungvögeln (die noch am selben Tag ausflogen) im Kirnitzschtal/Sächsische Schweiz; ab 01.06.2005 singendes Männchen bei Hermdorf/Osterzgebirge, am 18.07. dort ein adultes Tier mit mindestens 3 flüggen Jungvögeln (Steffens et al. 2013). Im Oberharz (Sachsen-Anhalt) wurden singende Männchen von Anfang bis Ende Juni nachgewiesen, ein Nachweis flügger Junge liegt für den 20.07.1998 und ein Nachweis von Nestlingen, die gefüttert werden, für den 22.07.1999 vor (Schulze et al. 2008).

Lebensraum


Der Grünlaubsänger ist Brutvogel in Nadel- (vor allem Fichten-), Misch- und Laubwald mit Starkholz, gestuftem Kronendach oder Gruppen höherer Baumkronen. Männchen singen vor allem an Waldrändern und Lichtungen. Im Harz (Sachsen-Anhalt) kommt die Art in Fichtenwäldern oberhalb 700 m in Beständen aus jungem bis mittlerem Baumholz bis hin zu lichten, kleinwüchsigen, naturnahen Fichtenbeständen nahe der Baumgrenze vor. In der Sächsischen Schweiz wurde der Grünlaubsänger in Sandsteinschluchten mit Nadel-Laubmischwald nachgewiesen. Aktuelle und potenzielle Revierstandorte in Sachsen liegen vor allem in Fichtenwäldern der Kammlagen des Erzgebirges und des Vogtlands (über 700 m ü. NN). Es gibt aber auch Nachweise in mittleren Lagen des Vogtlands (400-500 m ü. NN).

Lebensräume nach Artenschutzrecht

Fortpflanzungsstätten:
Die Fortpflanzungsstätte der Art ist das Brutrevier. Zur Reviergröße liegen keine konkreten Angaben vor. Reviergrößen ähnlicher Arten (Zilpzalp, Fitis) betragen im Mittel 0,6-1,5 ha.

Ruhestätten:
Die Ruhestätten liegen zur Brutzeit im Brutrevier (Nest und Nestumgebung).

Habitatkomplexe

  • Gehölze, Baumbestand
  • Wälder

Habitatkomplexe Reproduktion

  • Gehölze, Baumbestand
  • Wälder

Höhenstufen

  • montan

Sonstiges


Literatur

Bernotat, D. & Dierschke, V. (2015): Übergeordnete Kriterien zur Bewertung der Mortalität wildlebender Tiere im Rahmen von Projekten und Eingriffen 2. Fassung - Stand 25.11.2015. (Studie als PDF-Datei)

Bezzel, E. (1993): Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Passeres - Singvögel. AULA-Verlag, Wiesbaden.

Gedeon, K.; Grüneberg, C.; Mitschke, A.; Sudfeldt, C.; Eikhorst, W.; Fischer, S.; Flade, M.; Frick, S.; Geiersberger, I.; Koop, B.; Kramer, M.; Krüger, T.; Roth, N.; Ryslavy, T.; Stübing, S; Sudmann, S. R.; Steffens, R.; Vökler, F. & Witt, K. (2014): Atlas Deutscher Brutvogelarten. Atlas of German Breeding Birds. Stiftung Vogelmonitoring Deutschland und Dachverband Deutscher Avifaunisten (Hrsg.), Münster.

Pühringer, N. (1998): Österreichischer Erstnachweis des Grünlaubsängers (Phylloscopus trochiloides) im Nationalpark Kalkalpen/Oö. - Egretta 41: 108-110.

Schulze, M.; Lämmel, D. & Pschorn, A. (2008): Brutvorkommen wertgebender Vogelarten im EU SPA Vogelschutzgebiet Hochharz im Jahr 2007. - Ber. Landesamt f. Umweltschutz Sachsen-Anhalt, Sonderheft 4: 53-64.

Steffens, R.; Nachtigall, W.; Rau, S.; Trapp, H. & Ulbricht, J. (2013): Brutvögel in Sachsen. Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden. (als PDF-Dateien unter Brutvögel in Sachsen, Seiten 1-247 sowie S. 248-436 bzw. S. 437-656)

Steffens, R.; Saemann, D. & Grössler, K. (Hrsg.) (1998): Die Vogelwelt Sachsens. Gustav Fischer Verlag, Jena.

Stiefel, A. (1979): Ruhe und Schlaf bei Vögeln. Die Neue Brehm-Bücherei 487. Ziemsen-Verlag, Wittenberg.

Südbeck, P.; Andretzke, H.; Fischer, S.; Gedeon, K.; Schikore, T.; Schröder, K. & Sudfeldt, C. (Hrsg.) (2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Radolfzell.

Südbeck, P.; Bauer, H.-G.; Boschert, M.; Boye, P. & Knief, W. (2007): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands, 4. Fassung, 30. November 2007. Ber. Vogelschutz 44: 23-81.

Bearbeitungsstand und Bearbeiter des Artensteckbriefes

Offizieller Artensteckbrief des LfULG; Stand: 27.09.2016; Bearbeiter: Jörg Huth, Hans-Markus Oelerich (Halle); Hinweise und Änderungsvorschläge bitte an: Heiner.Blischke@smul.sachsen.de

Legende zum Artensteckbrief unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22872.htm; Informationen zur Artengruppe für Sachsen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/23211.htm