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Certhia brachydactyla C.L. Brehm, 1820 / Gartenbaumläufer (Sachsen)

Rechtlicher Schutz und Rote Liste


Artenschutzrechtlicher Schutzstatus:BG (besonders geschützt)
Rote Liste Deutschland:* (derzeit keine Gefährdung)
Rote Liste Sachsen:* (derzeit keine Gefährdung)

Allgemeine Arteninformationen


Taxonomie

In Europa werden 4 Unterarten abgegrenzt, je eine weitere in Nordafrika und Vorderasien. In Sachsen und dem größten Teil Deutschlands brütet die Nominatform C. b. brachydactyla. In Nordwestdeutschland wird sie von C. b. megarhynchos abgelöst.

Kennzeichen

Der Gartenbaumläufer und der eng verwandte Waldbaumläufer sind schwer unterscheidbare Schwesterarten. Die einfachste Arterkennung ist anhand der Lautäußerungen möglich. Dagegen erfordert eine Artbestimmung aufgrund morphologischer Merkmale viel Erfahrung und sehr günstige Beobachtungsbedingungen. Keinesfalls kann vom Biotop „Garten“ oder „Wald“ auf die Arten geschlossen werden, da sich die Habitate beider Arten regelmäßig überschneiden.

Beim Gartenbaumläufer sind im Gegensatz zum Waldbaumläufer die Hinterzehe kürzer und der Schnabel durchschnittlich länger. Die Unterseite, insbesondere an den Flanken, ist beim Gartenbaumläufer bräunlich überhaucht, beim Waldbaumläufer eher rein weiß. Ein relativ sicheres Merkmal ist die Ausbildung des Flügelstreifs, der beim Gartenbaumläufer gleichmäßig gestuft ist (siehe Daunicht 1991). Die Geschlechter sind äußerlich nicht zu unterscheiden.

Biologie und Ökologie

Der Gartenbaumläufer besiedelt Laub- und Laubmischwälder sowie größere Baumbestände im Siedlungsbereich, wie Parkanlagen, Friedhöfe, auch größere Obstgärten. Voraussetzung ist das Vorhandensein grobrindiger Baumarten (Eiche, Ulme, Linde, Erle, Weide, Pappel). Althölzer dieser Arten werden bevorzugt. Mit Nadelhölzern (z. B. Kiefer) gemischte Bestände werden ebenso besiedelt, jedoch müssen grobrindige Laubbäume (hier vor allem Eiche) einen bestimmten Anteil an der Baumartenzusammensetzung ausmachen. Im Gegensatz zum Waldbaumläufer nimmt der Gartenbaumläufer gerne eher lichtere Bestände und die Übergangsbereiche zwischen Wald und Offenland an und dringt weiter in Siedlungsgebiete vor.

Die Nahrung besteht aus Spinnen und Kleininsekten, besonders Larven und Puppen, die aus Stammritzen gesammelt werden. Im Winter können Gartenbaumläufer auch Fütterungen besuchen, wo sie Fettfuttergemisch aufnehmen.

Die Nester werden unter abstehender Rinde, in Baumritzen, alten Baumhöhlen oder auch in Spalten an Gebäuden, in Holzstapeln, Reisighaufen oder speziellen Nisthilfen („Rindentaschen“ oder Kästen ohne Rückwand mit schmalen Aussparungen an den ansonsten auf der Borke anliegenden Seitenteilen) angelegt. Das Nest wird aus Reisern, Halmen, Bastfasern und kleinen Federn gefertigt. Ab Anfang April werden meist 5-6 (3-9) Eier gelegt, die 13-15 Tage bebrütet werden. Die Jungen verlassen mit 16-18 Tagen das Nest und werden noch einige Tage von den Altvögeln gefüttert. Gartenbaumläufer machen 1-2 Jahresbruten. Für die 2. Brut kann der selbe Brutplatz wiederverwendet werden.

Gartenbaumläufer gelten als Standvögel, jedoch gibt es Hinweise darauf, dass ein Teil der Vögel gerichtete Wanderungen unternehmen kann (Baierlein et al. 2014).

Infolge des fast flächendeckenden Vorkommens bestehen hohe Besiedlungspotenziale für neu entstehende Brutplätze. Das tatsächliche Ausbreitungsvermögen ist unbekannt.

Überregionale Verbreitung

Art mit Hauptvorkommen in Europa. Verbreitung reicht vom Atlasgebirge in Nordafrika über die Iberische Halbinsel und Frankreich (inkl. Kanalinseln) bis Dänemark und nordöstlich bis Litauen, im Südosten zieht sich das Areal über Kleinasien bis zum Kaukasus.

Erhaltungszustand


Erhaltungszustand

günstig

Hinweise Erhaltungszustand

Die gutachterliche Einstufung erfolgt aufgrund des lang- und kurzfristig gleichbleibenden bis leicht positiven Bestandstrends. Die Art ist in Sachsen gegenwärtig ungefährdet.

Prüfung und Erfassung


Verantwortlichkeit (Sachsen)

Anteil Sachsen am deutschen Brutbestand: 3,1 %

Hinweise für Artenschutzprüfung

  • Häufige Brutvogelart
  • Gemeindegebiet als Bezugsraum für die lokale Population bei artenschutzrechtlichen Prüfung

Betrachtungsschwerpunkt Artenschutzprüfung

Brutvogelaspekt

Untersuchungsstandards

Methodik, Wertungsgrenzen und Zeitraum der Brutvogelerfassung gemäß Südbeck et al. (2005).

Erfassung singender Männchen bzw. rufender Vögel bei mehrmaliger (3-4 Termine) Begehung im Zeitraum Mitte März bis Anfang Mai. Ab April können die Vögel beim Nestbau registriert werden. Brutnachweise können ab Anfang Mai durch futtertragende Altvögel erbracht werden. Günstige Tageszeiten für die Begehungen liegen zwischen Sonnenaufgang und dem späten Vormittag.

Vorkommen


Status Etablierung

Indigene, Ureinheimische (Reproduktion)

Nachweisabsicherung

Nein

Langfristiger Bestandstrend

gleichbleibend

Kurzfristiger Bestandstrend

gleichbleibend

Bestand

Häufiger Brutvogel des Tief- und Hügellandes sowie der unteren Berglagen. In den Kiefernwäldern der Lausitz und in den waldarmen Gefildelandschaften in geringerer Dichte auftretend. Im Bergland endet die geschlossene Verbreitung bei etwa 500 m NN, die höheren Lagen bis max. 750 m NN werden nur sporadisch besiedelt.

Brutbestand in Sachsen (nach Steffens et al. 2013):

1978-1982: 7.000-15.000 BP

1993-1996: 8.000-16.000 BP

2004-2007: 10.000-20.000 BP

Vorkommenskarte

Vorkommenskarte

Naturraumkarte

Naturraumkarte

Phänologie


Phänogramm

Phänogramm

Lebensraum


Fortpflanzungsstätten: Fortpflanzungsstätten bilden Laub- und Laubmischbestände mit meist älteren, grobrindigen Laubhölzern und geeigneten Nistplatzen. Als Fortpflanzungsstätte sind jeweils die besiedelten Waldparzellen bzw. Gehölzbestände aufzufassen.

Ruhestätten: Die Ruhestätten liegen in geschützten Nischen und Höhlen. Außerhalb der Brutzeit nächtigen Gartenbaumläufer oft gemeinsam in Schlaftrauben bis >20 Individuen mit engem Körperkontakt.

Hinweise zur Abgrenzung von Populationen: Betrachtungsmaßstab unterhalb der Ebene Landkreis, in der Regel Waldgebiet, Parkanlage etc.

Habitatkomplexe

  • Gebäude, Siedlungen
  • Gehölze, Baumbestand
  • Wälder

Habitatkomplexe Reproduktion

  • Gebäude, Siedlungen
  • Gehölze, Baumbestand
  • Wälder

Ökologische Charakterisierung

  • Laubwald, Laubmischwald
  • Offene Landschaft mit Hecken, Feldgehölzen, Waldsäumen, Alleen
  • Siedlungsgebiete, Städte
  • Wald besonderer Struktur
  • Wald und waldähnliche Gehölze

Höhenstufen

  • collin
  • montan
  • planar

Management


Schutz durch allgemeinen Schutz der Lebensräume. Schwerpunkt ist die langfristige Sicherung eines hinreichenden Angebotes älterer Laubbäume sowohl im Siedlungsbereich als auch im Wald. Insbesondere sollte bei geplanten Baumfällungen an Park- und Waldwegen im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht abgewogen werden, ob ein teilweiser Rückschnitt oder das Belassen stehender Totholzstämme möglich ist. Forstliche Managementmaßnahmen umfassen die Verlängerung der Umtriebszeiten und das Belassen stehenden Totholzes, die Förderung standortgerechter Laubholzarten und den gezielten Umbau von Nadelholzkulturen zu standortgerechten Laub- und Laubmischbeständen.

Zentrales Medium für die Sammlung von Artdaten in der Naturschutzverwaltung des Freistaates Sachsen ist die Zentrale Artdatenbank beim LfULG: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/8048.htm;

Aktuelle Übersichtskarten der Verbreitung von Arten in Sachsen können unter folgendem Link abgerufen werden: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/infosysteme/ida

Gefährdungen


Gefährdungsursachen bilden:

  • Entnahme von Brut- und Nahrungsbäumen im Rahmen von forstlichen Maßnahmen oder Fällung aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht in Siedlungen und an Straßen/Wegen
  • kurze Umtriebszeiten in der forstlichen Bewirtschaftung
  • Verringerung des Totholzanteils in Gehölzbeständen
  • Verschluss von Baumspalten („Baumkosmetik“) an Bäumen in Parkanlagen und im Siedlungsbereich

Sonstiges


Literatur

  • Baierlein, F.; Dierschke, J.; Dierschke, V. ; Salewski, V.; Geiter, O.; Hüppop, K.; Köppen, U. & Fiedler, W. (2014): Atlas des Vogelzugs. Ringfunde deutscher Brut- und Gastvögel. – Aula-Verlag Wiebelsheim: 567 S.

    Bauer, H.-G., Bezzel, E. & Fiedler, W. (Hrsg.) (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 2: Passeriformes – Sperlingsvögel. – AULA-Verlag Wiebelsheim: 808 S.

    Daunicht, W. D. (1991): Unterscheidungsmerkmale im Großgefieder von Wald- Certhia familiaris und Gartenbaumläufer C. brachydactyla. – Limicola 5 (2): 49–64. Im Internet unter: http://www.limicola.de/fileadmin/user_upload/Dateien_Limicola/Limicola_Dokumente/DaunichtBauml%C3%A4uferLimicola1991.pdf

    Fünfstück, H.-J., Ebert, A., Weiß, I. (2010): Taschenlexikon der Vögel Deutschlands. - Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim: 685 S.

    Steffens, R., D. Saemann & K. Größler (1998 ): Die Vogelwelt Sachsens. – Gustav Fischer Verlag, Jena-Stuttgart-Lübeck-Ulm: 530 S.

    Steffens, R., Nachtigall, W., Rau, S., Trapp, H. & Ulbricht, J. (2013): Brutvögel in Sachsen. – Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden: 656 S.

    Südbeck, P., Andretzke, H., Fischer, S., Gedeon, K., Schikore, T. S., Schröder, K. & Sudfeldt, C. (2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten und des Dachverbandes der Deutschen Avifaunisten DDA (Hrsg.) – Mugler Druck-Service, Hohenstein-Ernstthal: 790 S.

    Südbeck, P.; Bauer, H.-G.; Boschert, M.; Boye, P. & Knief, W. (2007): Rote Liste und Gesamtartenliste der Brutvögel (Aves) Deutschlands. 4. Fassung, 30. November 2007. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (1): 159-227

    Urs N. Glutz von Blotzheim (Hrsg.): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Mit einem Lexikon ornithologischer Fachbegriffe von Ralf Wassmann. Vogelzug-Verlag, Wiebelsheim 2004, ISBN 3-923527-00-4 (CD-ROM für Windows, MacOS, Unix usw., als PDF-Datei: 15.718 Buchseiten mit 3200 Abbildungen).

    • Baierlein, F.; Dierschke, J.; Dierschke, V. ; Salewski, V.; Geiter, O.; Hüppop, K.; Köppen, U. & Fiedler, W. (2014): Atlas des Vogelzugs. Ringfunde deutscher Brut- und Gastvögel. – Aula-Verlag Wiebelsheim: 567 S.
    • Bauer, H.-G., Bezzel, E. & Fiedler, W. (Hrsg.) (2005): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas. Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 2: Passeriformes – Sperlingsvögel. – AULA-Verlag Wiebelsheim: 808 S.
    • Daunicht, W. D. (1991): Unterscheidungsmerkmale im Großgefieder von Wald- Certhia familiaris und Gartenbaumläufer C. brachydactyla. – Limicola 5 (2): 49–64. Im Internet unter: http://www.limicola.de/fileadmin/user_upload/Dateien_Limicola/Limicola_Dokumente/DaunichtBauml%C3%A4uferLimicola1991.pdf
    • Fünfstück, H.-J., Ebert, A., Weiß, I. (2010): Taschenlexikon der Vögel Deutschlands. - Quelle & Meyer Verlag Wiebelsheim: 685 S.
    • Steffens, R., D. Saemann & K. Größler (1998 ): Die Vogelwelt Sachsens. – Gustav Fischer Verlag, Jena-Stuttgart-Lübeck-Ulm: 530 S.
    • Steffens, R., Nachtigall, W., Rau, S., Trapp, H. & Ulbricht, J. (2013): Brutvögel in Sachsen. – Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Dresden: 656 S.
    • Südbeck, P., Andretzke, H., Fischer, S., Gedeon, K., Schikore, T. S., Schröder, K. & Sudfeldt, C. (2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten und des Dachverbandes der Deutschen Avifaunisten DDA (Hrsg.) – Mugler Druck-Service, Hohenstein-Ernstthal: 790 S.
    • Südbeck, P.; Bauer, H.-G.; Boschert, M.; Boye, P. & Knief, W. (2007): Rote Liste und Gesamtartenliste der Brutvögel (Aves) Deutschlands. 4. Fassung, 30. November 2007. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (1): 159-227
    • Urs N. Glutz von Blotzheim (Hrsg.): Handbuch der Vögel Mitteleuropas. Mit einem Lexikon ornithologischer Fachbegriffe von Ralf Wassmann. Vogelzug-Verlag, Wiebelsheim 2004, ISBN 3-923527-00-4 (CD-ROM für Windows, MacOS, Unix usw., als PDF-Datei: 15.718 Buchseiten mit 3200 Abbildungen).

Bearbeitungsstand und Bearbeiter des Artensteckbriefes

Stand: 26.11.2015; Bearbeiter: Marko Olias und Dr. André Günther (Naturschutzinstitut Freiberg); Hinweise und Änderungsvorschläge bitte an: Heiner.Blischke@smul.sachsen.de

Legende zum Artensteckbrief unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22872.htm; Informationen zur Artengruppe für Sachsen: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/22988.htm